Rada Zasoby

Österreich Ausgabe Juli/August 2013

1 - 2-

Computersüchtig
Zurück aus der
virtuellen Welt
Brasilien
Bingo für den
Weltjugendtag
Brennpunkt
Entwicklungshilfe:
Mir wurscht?
Die christliche Zeitschrift
für die ganze Familie
Kraft geben!
4/2013
02Z030224S Österreich Ausgabe Juli/August
Seelsorge bei kranken und
sterbenden MenschenSeine eigene Welt erschaffen, das faszinierte Max Klais so
sehr, dass er Stunden und Tage am PC verbrachte. Die Ausstei­
gergeschichte eines Computersüchtigen
Zwei Millionen Menschen werden zum Weltjugendtreffen in
Rio erwartet. Die Salesianer vor Ort kümmern sich um Jugend­
liche an sozialen Brennpunkten.
14 22
IM BLICKPUNKT
4 Das Panoptikum aus der Welt der Kirche
THEMA
6 Kraft geben! Seelsorge bei kranken und sterbenden
Menschen
8 „Seelsorge heißt für mich, ein Stück des Weges
mitzugehen“ – ein Besuch beim Seelsorgeteam im
AKH Wien
12 Klinikseelsorger Thomas Kammerer im Interview über
Sakramente
FAMILIE
14 Zurück aus der „Alten Republik“
Computersüchtig durch virtuelle Welten. Eine Aussteiger­
geschichte
18 Ausgesprochen
Provokante Heiratsweisheiten – ungeordnet
19 Hier und dort:
Mein Haustier
MITTENDRIN
20 Mit offenen Armen aus Stahl und Fiberglas
DON BOSCO
22 Bingo für den Weltjugendtag
Weltweit in Brasilien, dem Ziel beim diesjährigen
Weltjugendtreffen in Rio
26 Brennpunkt Entwicklungshilfe: „Mir wurscht“
26 24 Stunden:
Keine schlechten Noten wegen Don Bosco
Karl Peraus aus dem Linzer Franckviertel
29 Don Bosco aktuell
Nachrichten aus der Don Bosco Familie
32 Gegensatzpaare: Herzlich und distanziert
33 Post aus Rom: Pflicht zum sachlichen Widerspruch
34 Das bin ich!
BUNTES
35 Ratgeber
Sie fragen, unsere Experten antworten
36 Kinderseite
Steffi und Tobi bei der Ernte
38 Rätsel und Zurückgeblättert
Vor 25 Jahren wurde die Jugendgruppe „Confronto“
gegründet.
39 Impressum, Vorschau
Inhalt 4/2013Liebe Leserin, lieber Leser!
In dieser Ausgabe richten wir
den Blick auch auf Menschen,
die wichtige Hilfe in Not und
Bedrängnis leisten: die Kran­
kenhausseelsorger. Sie sind da,
wenn der Einzelne an die Grenzen
seines Seins kommt. Sie gehen ein
Stück des Weges mit. Sie weisen
einen Weg, der nicht in der Sinnlosigkeit endet.

Auch wir, die Mitglieder der Salesianischen Familie,
verstehen uns als Helfer. Wir setzen uns für die Menschen,
vor allem für die jungen ein. Ihre Zukunft soll in der gan­
zen Welt und in Österreich gelingen.

Apropos Österreich: Noch denken wir an die große Flut,
die uns heimgesucht hat. Die Betroffenen sind immer
noch damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen. Neben
den schrecklichen Dingen hat sie auch geoffenbart, dass
die Menschen eine große Hilfsbereitschaft entwickeln
können, auch wenn sie nicht unmittelbar betroffen sind.

Dagegen steht: die Kürzung der staatlichen Mittel für
die Entwicklungszusammenarbeit. Immerhin steht im
entsprechenden Gesetz, dass Österreich dazu beiträgt, in
bestimmten Ländern „Armut zu mindern, die natürlichen
Ressourcen zu schützen sowie Frieden und menschliche
Sicherheit in den Partnerländern zu fördern.“ Wie soll
dies mit den geringen Mitteln geschehen? Offensichtlich
denkt der einfache Bürger anders. Ich bin überzeugt: Es
ist ihm „nicht wurscht!“. Mehr dazu in unserer Rubrik
„Brennpunkt“ auf Seite 26 – dieses Mal fast ungewohnt
aus Österreich und nicht aus einem Land des Südens.

In dankbarer Verbundenheit grüßt Sie Ihr
Pater Josef Vösl SDB
Chefredakteur
Unser Leser Ernst Bliem erfreute die Redaktion mit
einem selbst gemalten Bild von Don Bosco. Er schreibt
dazu: „Da ich über die vielen Informationen über Don
Bosco sehr, sehr begeistert bin, möchte ich dieses Bild
zusätzlich zu meiner Spende senden.“
Die Salesianer Don Boscos betreiben die Druckerei
im Vatikan. Im Mai konnten die Redakteurinnen des
deutschen und österreichischen DON BOSCO magazins,
Katharina Hennecke und Sophie Lauringer, gemeinsam
mit dem Generalökonom, Bruder Jean Paul Muller, erste
Bilder von Papst Franziskus abholen. Geparkt wurde –
was Rombesuchern völlig fremd ist – direkt im Vatikan
am „Largo San Giovanni Bosco“, so der Straßenname.
Hier befindet sich im kleinsten Staat der Welt die Salesi­
anerdruckerei.
Aus der Redaktion
DONBOSCOmagazin 4/2013 3
InhaltKlöster präsentieren sich als Orte für die
Entdeckung der Stille.
Cygnus OB2, ein 4.700 Lichtjahre entfernter Sternenhaufen
mit der 200.000-fachen Leuchtkraft der Sonne, stand im
Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Tagung der vatikani-
schen Sternwarte. Im Mai diskutierten 24 Astronomen aus
Europa, den USA und Chile am Sitz der Forschungseinrich-
tung in Albano im Süden Roms neue Erkenntnisse über die
im Sternbild „Schwan“ gelegene Formation.
Die 1576 gegründete Vatikanische Sternwarte wurde 1935
nach Castel Gandolfo ausgelagert; in Rom war es wegen
des elektrischen Lichts nachts zu hell geworden. 2009 zog
die von Jesuiten geleitete Einrichtung aus dem päpstlichen
Sommerpalais in ein ehemaliges Kloster im Nachbarort Al-
bano um. Die Teleskope befinden sich jedoch nach wie vor
auf dem Gelände der päpstlichen Sommerresidenz Castel
Gandolfo.
Zu Gast in den ältesten
Herbergen des Landes
„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen wer-
den wie Christus“, so die Regel des Heiligen Benedikt.
In diesem Sinn laden Österreichs Klöster ein, Auszeit
vom Alltag zu nehmen. Sie wollen mit einer anderen Di-
mension des Lebens bekannt machen, weitab der heuti-
gen Schnelllebigkeit. Eingebettet in den Tagesrhythmus
der Ordensfrauen, Mönche oder Chorherren können
Gäste die Kraft entdecken, die in einem Kloster ruht.
„Gast im Kloster“ ist auch ein Angebot für Menschen,
die geistig „auftanken“ wollen, die einen neuen Le-
bensrhythmus suchen. Gäste können am Leben der je-
weiligen Gemeinschaft teilnehmen, sich weiterbilden,
Spiritualität einüben, ihre Gesundheit stärken oder ein-
fach nur in Ruhe und Stille ausspannen. Gastfreund-
schaft kann sowohl durch Tagesbesuche als auch bei
Nächtigungsangeboten erlebt werden.
Kontakt: „Gast im Kloster“ unter info@kloesterreich.at
www.kloesterreich.at
Der Hauptteil der wissenschaftlichen Arbeit
findet inzwischen im Mount Graham Internati-
onal Observatory in Arizona statt.
In den Albaner Bergen bei
Rom veranstaltet das
Observatorium seit
1986 alle zwei Jah-
re eine Sommer-
schule für Astro-
nomiestudenten
aus aller Welt.
(KAP)
Vatikan­Konferenz über Sternenhaufen
Der Sternhaufen Cygnus
OB2 ist 4.700 Lichtjahre
von der Erde entfernt.
4 DONBOSCOmagazin 4/2013
Foto: Region Graz
Foto: NASA‘s Marshall Space Flight Center
Im BlickpunktWussten Sie schon, ...
… dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela
Merkel bei einer Privataudienz im Vatikan dem Papst
eine Gesamtausgabe des deutschen Dichters Friedrich
Hölderlin (1770-1843) aus dem Jahr 1905 geschenkt
hat? Papst Franziskus hatte in früheren Interviews
den Tübinger Denker und Literaten als einen seiner
Lieblingsdichter bezeichnet.
… dass der Vatikan heuer erstmals an der Biennale
in Venedig teilnimmt? Gestaltet wird sein „Pavillon“ für
die Kunstausstellung von internationalen hochkarä-
tigen Künstlern. Mit der Initiative soll der „unterbro-
chene Dialog“ zwischen Kirche und moderner Kunst
wieder aufgenommen werden.
… dass es bei Dürnstein in Niederösterreich einen
Don Bosco Grat gibt? Er wurde vor Kurzem saniert und
zählt nun zu den lohnendsten langen Klettertouren in
der Wachau.
Waren früher Heiligen- und Herrschernamen ausschlaggebend, sind es
heute neue Medien, Migrations- und Globalisierungsbewegungen.
Der Don Bosco
Grat ist ein be-
liebter Kletter-
steig in der
Wachau.
Modename Kevin?
„Die jeweiligen ‚Top Ten‘ der Namensgebung lassen
wichtige Schlüsse auf Prozesse des gesellschaftlichen
Wandels zu“, so der Namensforscher Prof. Michael Mit-
terauer. Heute sorgen vor allem Migrationsprozesse für
Verschiebungen: „In Brüssel, dem Sitz der Europäischen
Union, hat die Mehrheit einen islamischen Namen, eben-
so in der europäischen Kulturhauptstadt Marseille.“
Mitterauer spricht sich dagegen aus, die Spitzenplätze
bei Namentrends abwertend als bloße „Modenamen“
und damit als vermeintlich oberflächlich zu bezeichnen.
Eine abschätzige Bewertung werde der Komplexität der
Entwicklungsgeschichte nicht gerecht. Zum Beispiel der
aus Irland stammende Name Kevin, der Anfang der
1990er-Jahre die „Top Ten“ der männlichen Namens-
trends anführte. Kevin ist die Anglisierung von Coemgen,
dem Patron von Dublin. Verbreitet wurde der Name zu-
nächst durch die 1920 erfolgte Hinrichtung des 18-jähri-
gen IRA-Mitglieds Kevin Barry, in den 70er-Jahren durch
den Fußballstar Kevin Keegan und in den 1990ern durch
die Filmindustrie mit „Kevin – Allein zu Haus“ und den
irischstämmigen Schauspieler Kevin Costner.
(KAP)
Wie das „Päpstliche Jahrbuch 2013“
bekannt gab, hat die Zahl der
Katholiken erstmals die Marke von
1,2 Milliarden überschritten.
Ihr Anteil an der Weltbevölkerung
liegt bei 17,5 Prozent.
1,2
Milliarden
Katholiken
DONBOSCOmagazin 4/2013 5
Inhalt
Foto: FredFischer1
Foto: gego26056 DONBOSCOmagazin 4/2013DONBOSCOmagazin 4/2013 7
Thema
Kraft geben!
Ich war krank
und ihr habt mich besucht …
(Evangelium nach Matthäus, Kapitel 25, Vers 36)
Es ist ein Einschnitt im Alltag – manchmal ungeplant,
manchmal unumgehbar, aber praktisch immer wird der Aufenthalt
im Krankenhaus als ungelegen und lästig empfunden.
Krank sein macht sensibel und verletzlich, Stimmungen können
sich ändern, Einstellungen auch. Dabei erinnern sich viele
an die Kommunion als stärkendes Ritual, teilweise aus ihrem
gelebten Alltag, teilweise aus der Kindheit. Sie erfahren
in der körperlichen Schwäche auch Anteilnahme und Hoffnung
in der Krankensalbung und sie erleben Zuwendung und ein
offenes Ohr bei erfahrenen Krankenhausseelsorgern.
Ein Thema über die Seelsorge bei Kranken
und Sterbenden
8 DONBOSCOmagazin 4/2013
Thema
„Seelsorge
heißt für mich, ein Stück
des Weges mitzugehen“Im Krankenhaus erleben viele Menschen
einen Bruch mit ihrem alltäglichen Leben.
Diese oft verstörende Erfahrung kann ver-
unsichern und zu einer Suche nach Orien-
tierung und Hoffnung führen. Wie konkret
die Krankenhausseelsorge in solchen Situa-
tionen hilft, haben wir bei einem Besuch im
AKH Wien erfahren.
Text: Markus Schauta, Fotos: KATHBILD, Markus Schauta
hier im Haus“, weiß der Priester. Wenn er daher an das
Bett eines Menschen trete, der medizinisch nicht mehr
ansprechbar ist, beginne er immer mit einer Entschul­
digung: „Ich weiß nicht, ob Sie es wollen, aber nehmen
Sie es als Zeichen Ihrer Familie, die Ihnen Gutes will.“ So
hoffe er, dass es nicht falsch ankommt.
Es gebe natürlich auch andere Fälle. Menschen, denen
am nächsten Tag eine schwere Operation bevorsteht und
die daher im Gottesdienst die Krankensalbung als Stär­
kung empfangen wollen.
Maria Neubauer ist bereit für ihre täglichen Patienten­
besuche. Sie hat sich einen weißen Krankenhauskittel
übergezogen, ein gelber Button weist sie als Krankenh­
ausseelsorgerin aus. In der Tasche steckt ein grauer Pa­
ger, der sich meldet, sobald irgendwo im Haus Seelsor­
ge benötigt wird. Die Namen und Zimmernummern der
Patienten, die sie regelmäßig besucht, hat sie sich auf
einem Notizblock notiert.
Die 33­Jährige hat die Ausbildung zur Pastoralassistentin
gemacht und arbeitet seit September 2012 im AKH. Nach
zahlreichen Stopps, bei denen immer wieder Leute ein­
D ie grünen Topfpflanzen und die
Fenster in den Innenhof das AKH
geben dem Zwei­Zimmer­Sekre­
tariat der Katholischen Seelsorge
eine gemütliche Atmosphäre. Von hier aus organisiert
Pfarrer Gerhard Gary die Krankenhausseelsorge am AKH
Wien. „Wenn Leute hören, dass jemand die Krankensal­
bung empfängt, fragen viele Menschen, geht es ihm so
schlecht?“, erzählt der 49­Jährige. Dahinter stehe die
Vorstellung von der letzten Ölung, was der modernen
Theologie überhaupt nicht entspreche. Die Krankensal­
bung sei viel mehr etwas Stärkendes, Aufbauendes, Hei­
lendes, Helfendes, Behütendes.
„Kaffee?“ Das Rasseln der Maschine übertönt seine Wor­
te. Er wartet, bis die Bohnen gemahlen sind und der Be­
cher mit Kaffee gefüllt ist, bevor er weiterspricht. Taufe
und Krankensalbung seien einander sehr nahe Sakra­
mente: „Bei der Taufe kommen die Eltern und bringen
die Kinder, die sich nicht wehren können. Bei der Kran­
kensalbung kommen die Kinder und wollen etwas für
die Eltern, die sich nicht wehren können.“ Daher sei die
Krankensalbung so etwas wie Seelsorge für die Ange­
hörigen. „Das haben wir locker in drei Viertel der Fälle
Priester Gerhard Gary ist seit vielen Jahren Krankenhausseelsorger
am AKH Wien: „Krankensalbung ist etwas Stärkendes, Aufbauendes,
Heilendes, Helfendes, Behütendes.“
DONBOSCOmagazin 4/2013 9
Thema
▲und aussteigen, steigt sie im 18. Stock aus dem Lift. Hier
auf der Onkologie besucht sie Frau Meier (Name von der
Redaktion geändert).
Ein drittes Bett, das gerade ins Zimmer geschoben wird,
kündigt eine neue Zimmernachbarin an. „Hoffentlich
nicht eine, die schnarcht“, scherzt die Pastoralassisten­
tin und schiebt einen Sessel ans Bett der
Patientin. Vor einem Jahr musste Frau
Meier ein Bein amputiert werden. „Ich
möchte wieder schwimmen gehen“, sagt
sie. Ihr Leben lang sei sie sehr sportlich
gewesen. Auch denke sie darüber nach,
sich ein behindertengerechtes Auto zu
kaufen. Durch das Fenster fällt der Blick
auf Wien. „Ich war seit einem Jahr nicht
zu Hause, immer nur im Krankenhaus
und im Pflegeheim“, klagt die Patientin. Ihr Hund feh ­
le ihr und die vertraute Umgebung ihrer Wohnung. Frau
Neubauer hört zu, ermutigt sie und rückt ihr die Decke
zurecht. Dann holt sie eine kleine Dose aus der Tasche
ihres weißen Kittels, spricht ein Gebet und spendet die
Kommunion. Die Patientin bittet Gott, bald wieder nach
Hause zu können. Dann verabschiedet sich die Pasto­
ralassistentin und verspricht, morgen wiederzukommen.
Priester Gary steht am Gang der Palliativstation. Hier
werden jene Patienten betreut, für die Heilung nicht
mehr möglich ist. Neben der medizinischen und pflege ­
rischen Betreuung legt der Leiter der Station, Universi­
tätsprofessor Herbert Watzke, Wert auf psychologische,
soziale und auch spirituelle Begleitung.
Fünf hauptamtliche Seelsorger sind für
das gesamte AKH zuständig. „Wir sind
mehr oder weniger darauf angewiesen,
auf Anfragen zu reagieren“, erklärt der
Seelsorger. „Durchgehen von einem
Zimmer zum anderen würden wir gar
nicht schaffen.“ Dafür gebe es zu viele
Patienten.
Umso dankbarer sind sie für die Hilfe Ehrenamtlicher,
die regelmäßig bestimmte Stationen im AKH aufsuchen.
Christiane Cap ist eine von ihnen. Als ehrenamtliche
Seelsorgerin ist sie fast täglich auf der Palliativstation tä­
tig. Die 63­Jährige engagiert sich seit 14 Jahren am AKH.
Heute hat sie Gerhard Gary verständigt, dass eine Patien­
tin die Krankensalbung wünscht.
Im Bett liegt eine alte Dame mit weißem Haar. Frau Cap
und Priester Gary nehmen auf Stühlen
links und rechts von ihrem Bett Platz. Der
Priester öffnet eine Ampulle mit Kran ­
kenöl und hält sie ihr vorsichtig unter
die Nase, damit sie daran riechen kann.
„Das Krankenöl besteht aus Oliven­ und
Rosenöl“, erklärt er ihr. Die Rosen könne
sie riechen, sagt sie nach einer Weile.
„Das Öl wurde von Kardinal Schönborn
in der Karwoche geweiht“, sagt er und streicht Öl auf
Stirn und Hände. Dann sprechen sie ein Vaterunser,
so gut es geht, stimmt die Patientin ein. „Sehr schön“,
sagt sie leise am Ende der Zeremonie. Mit einem langen
Händedruck verabschiedet sie sich vom Priester und
der Seelsorgerin, die später noch einmal vorbeikommen
möchte, um ihr etwas vorzulesen – Krankenhausseelsor­
ge ist mehr als Beichte und das Spenden von Sakramen­
ten. Es ist vor allem Kommunikation und Zuwendung,
erklärt Frau Cap draußen am Gang.
Mit dem Lift fährt der Priester zurück ins Sekretariat. Be­
vor er ins AKH kam, war Gerhard Gary viele Jahre in der
Pfarrseelsorge tätig. Doch er spürte immer mehr, dass es
nicht das ist, was er sich unter Seelsorge
vorstellte. Management, Repräsentati­
on und Sakramentenpastoral hätten zu
viel Zeit in Anspruch genommen. „Hier
hingegen habe ich Zeit, mich zu jeman­
dem hinzusetzen und ihm zuzuhören.
Seelsorge heißt für mich, ein Stück des
Weges mitzugehen. Das geht in der Pfarre
kaum.“ Um 16 Uhr wird er eine Messe in
der Krankenhauskapelle feiern. Doch davor geht es zum
Mittagessen. Den Pager hat er dabei, immer bereit, auch
das letzte Stück des Weges mit den Patienten zu gehen.
10 DONBOSCOmagazin 4/2013
Thema
Zeit zum
Hinsetzen und
Zuhören

Hoffnung
und der Duft
von Rosen
Die Kapelle im AKH Wien ist rund um die Uhr geöffnet.
Es ist ein Ort der Ruhe, an den sich Menschen zum Gebet
zurückziehen. Täglich wird die Messe gefeiert und auf
Wunsch werden Krankensalbungen gespendet.
DONBOSCOmagazin 4/2013 11
Thema12 DONBOSCOmagazin 4/2013
„Wir müssen
immer wieder
aufs Neue
stimmige
Rituale finden“
» Im Interview
Taufe, Kommunion und Hochzeit – diese
Sakramente sind in der Gesellschaft nach
wie vor etabliert. Doch Krankensalbung
und Beichte nimmt kaum noch jemand
in Anspruch. Das DON BOSCO magazin
spricht mit dem Klinikseelsorger Thomas
Kammerer über Sakramente bei Kranken
und veränderte Bedürfnisse im Umgang
mit christlichen Traditionen.
Herr Kammerer, was ist ein Sakrament?
Ein Sakrament ist ein starkes Zeichen. Es bringt den Menschen
durch ein Symbol und ein Deutungswort nahe, dass die Liebe
Gottes in einer konkreten Lebenssituation jetzt wirksam ist:
Wenn etwa jemand in der Beichte die Zusage erhält: „Deine
Sünden sind dir vergeben“ oder „ich spreche dich los von deiner
Schuld“ – das ist schon was. Oder wenn ein Firmling in der Unsi­
cherheit der Pubertät, im Übergang vom Kind zum Erwachsenen,
mit dem Heiligen Geist besiegelt wird, um damit auszudrücken,
dass Gott ihm oder ihr die Kraft gibt, das Leben zu meistern.
Welchen Stellenwert haben Sakramente heute in der Ge-
sellschaft?
Es kommt darauf an, welche Sakramente Sie meinen. Denn die
Sakramente der Lebenswenden sind nach wie vor sehr wichtig
und den Menschen trotz zunehmender Säkularisierung immer
noch bedeutsam. Deshalb kommen Menschen heute immer
noch mit ihren Kindern zur Taufe, zur Erstkommunion und zur
Firmung. Und viele Paare heiraten immer noch kirchlich.
Was sehr lange Zeit in Vergessenheit geraten war, ist das Sakra­
ment der Krankensalbung. Sie war über Jahrhunderte hinweg
mit dem Tod verbunden. Deshalb hat man sich lange Zeit nicht
getraut, dieses Sakrament zu wünschen.
Welche Bedeutung hat die Krankensalbung?
Die Krankensalbung ist uns im Jakobusbrief biblisch überlie­
fert. Daraus hat sich die Tradition begründet, dass dann, wenn
Leben durch Krankheit in Gefahr gerät, ein Zeichen dagegen­
steht. Es dient dem Heil des Menschen, sowohl dem seelischen
als auch dem körperlichen Heil. Die Krankensalbung ist ganz
klar ein heiliges Zeichen für Leib und Seele, das im Kampf gegen
die Krankheit unterstützen soll. Also auch gegen Todesgefahr.
Das heißt, die Krankensalbung ist eher eine Stärkung.
Richtig, es ist eine ganz starke Stärkung.
Welche Sakramente begegnen Ihnen als Klinikseelsorger
noch?
Natürlich die Beichte, als Sakrament der Versöhnung. Men­
schen, die krank sind oder sogar mit der Möglichkeit des Ster­
bens konfrontiert werden, denken noch einmal über ihr Leben
nach. Das darf man nicht unterschätzen. Dabei entdecken sie
manches, was schiefgegangen ist und Versöhnung braucht. Es
muss nicht immer die Versöhnung mit Gott oder mit anderen Pfarrer Thomas Kammerer
leitet das Seelsorgeteam
im Klinikum rechts der
Isar in München. Eine sei-
ner Aufgaben ist es, die
Angebote der Seel sorge
für Patienten, Angehörige
und Mitarbeiter weiterzu-
entwickeln.
DONBOSCOmagazin 4/2013 13
Thema
sein. Es kann auch um Versöhnung mit sich selbst und dem
Scherbenhaufen des eigenen Lebens gehen.
Welche Sakramente darf nur der Priester spenden?
Ein Priester darf die Eucharistie, die Krankensalbung und das
Bußsakrament spenden.

Aber die Beichte ist doch eher aus der Mode gekommen.
Warum ist das so?
Im normalen Leben ist sie tatsächlich aus der Mode gekommen.
Das hängt aber auch mit der Sündenangst aus dem Mittelalter
zusammen. Die Menschen haben geglaubt, man müsse wegen
jeder Kleinigkeit sofort zur Beichte gehen, sonst komme man
nicht in den Himmel.
Aber diese Verquickung ist nicht glaub­
würdig. So ist die Institution des Beichtens
aus der Mode gekommen – leider Gottes.
Denn es gibt Dinge, die einem teilweise
jahrzehntelang nachgehen. Ich erlebe es
immer wieder als sehr befreiend, wenn ein
Mensch nach der Beichte vom Priester die
Zusage erhält, dass seine Sünden vergeben
sind. Ich kann mich an ein Beichtgespräch
mit einem Bundeswehrsoldaten erinnern,
der bei diesem Satz in Tränen ausgebro­
chen ist. An vielen solcher Erlebnisse habe
ich gemerkt, wie tief diese Zusage wirken kann.
Spenden Sie Sakramente wie die Krankensalbung nur Ka-
tholiken – oder spielt das keine Rolle?
Also Sakramente sind nur für Katholiken. Denn du musst einen
bestimmten Bezug haben dazu. Das ist kein magisches Ritual,
das aus sich heraus ohne jede Beziehung wirkt. Unlängst bat
mich jemand: Ich bin nicht getauft, aber ich möchte beichten. Interview: Hannah-Magdalena Pink, Fotos: Klaus D. Wolf
Die Krankensalbung
dient dem Heil des
Menschen, sowohl
dem seelischen als
auch dem
körperlichen.

Ich habe mit ihm darüber gesprochen, was er mit der
Beichte verbindet und was wichtig für ihn ist. So haben
wir einen Weg gefunden, etwas Passendes zu gestalten.
Das kommt heute häufiger vor, weil wir in einer multi­
kulturellen Gesellschaft leben, in der Menschen oft nicht
mehr von klein auf kirchlich sozialisiert sind. Wir müssen
daher immer wieder aufs Neue stimmige Rituale finden.
Was ist Ihnen persönlich wichtig an der Kranken-
hausseelsorge?
Das hat sich gewandelt. Ich arbeite jetzt seit 15 Jahren im
Krankenhaus. Am Anfang war mir der einzelne Mensch
das Wichtigste. Das ist er auch heu­
te noch, aber ich habe mehr die Ge­
samtdimension des Krankenhauses
im Blick. Am Anfang habe ich die
Patienten gesehen, dann kamen die
Mitarbeiter in den Blick, und heute
beschäftige ich mich viel mit ethi­
schen Fragen. Ich merke außerdem,
dass die Mitarbeitenden sich nach
Menschen sehnen, die ihnen einen
konstruktiven Input aus einem an­
deren Blickwinkel bieten. Einen
Blickwinkel, den sie der Routine des
Krankenhauses und der Medizin hinzufügen. Das macht
mir Freude. Wir stehen noch ganz am Anfang damit,
zu sehen, was Spiritualität auch für Heilung bedeuten
kann. Fotos: Hannah-Magdalena Pink; Stockphoto
Früher spielte Max am Wochenende den ganzen Tag. Von seinen Spielerkollegen im
Internet fühlte er sich akzeptiert, während er in der Schule gemobbt wurde.
M ax sitzt am Schreibtisch in seinem Zimmer
und bastelt. Mit viel Geduld trennt er kleine
Plastikarme, ­köpfe und ­gewehre aus ei­
nem Kunststoffrahmen und ordnet die Teile
auf seiner Schreibtischunterlage. Auf einer leeren Ver­
packung stehen schon einige fertige Figuren. „Das sind
Necrons, Maschinenmenschen für ein Strategiespiel“,
erklärt der 20­Jährige. Die beiden Computerbildschirme
auf dem Tisch neben ihm in der Ecke sind schwarz, der
PC ist ausgeschaltet.
Vor einem Jahr wäre das für Max noch unvorstellbar ge­
wesen. Denn noch im Herbst 2011 saß er jeden Tag sechs
bis acht Stunden am Computer und hat gespielt: Stra­
tegie­ und Online­Rollenspiele wie „Mass Effect“, „Star
Wars – The Old Republic“ oder „Skyrim“. „Man kann
da alles machen, was man will“, sagt Max und lächelt
schüchtern. „Man kann sich seine eigene Welt erschaf­
fen, wie man sie in der Realität meistens nicht hinbe­
kommt. Außerdem gibt es im Spiel keine Sorgen und
Probleme.“
Seine eigene Welt erschaffen und Verteidigungsstrategien entwickeln –
das faszinierte Max Klais so sehr, dass er Stunden und Tage in den
Fantasywelten von PC-Spielen verbrachte. Das DON BOSCO magazin
hat den früher exzessiven Computerspieler besucht.
Text: Hannah-Magdalena Pink
„Alten Republik“
aus der
Zurück
Thema
CompuTer-
suChT
14 DONBOSCOmagazin 4/2013Heute geht Max lieber mit seinen Freunden klettern oder spielt Strategie-
spiele in der echten Welt, wofür er selbst Figuren bastelt und bemalt.
Schon mit sechs Jahren interessierte sich Max für Com­
puterspiele. Mit 13 oder 14 spielte er dann immer mehr. In
der Schule war er ein Außenseiter und wurde gemobbt,
„wahrscheinlich, weil ich Metal­Musik mochte und ger­
ne Fantasy­Bücher las“, vermutet er. In den Spielewelten
fand er einen Rückzugsort, wo er Teil eines Teams war.
„Am PC wirst du akzeptiert. Da sind alle, die spielen, ge­
nau so wie du selbst“, sagt Max, während er sich eine
Strähne seiner dunkelbraunen Haare aus den Augen
streicht.
Irgendwann tauchte Max nachmittags nach der Schule
dann komplett in die virtuelle Welt ab. Auch während
seiner Ausbildung zum Mechaniker hörte er nicht auf.
Meistens zockte er bis nach Mitternacht, und samstags
ging der ganze Tag dafür drauf. Wenn seine Eltern ver­
langten, doch mal den PC auszumachen, wurde Max ner­
vös. „Ich hab dann versucht, was Anderes zu machen,
hatte aber keine Lust, weil ich ja weiterspielen wollte.
Das war ein innerer Kampf“, erzählt er und trommelt mit
den Fingern auf den Tisch.
„Man kann sich seine
eigene Welt erschaffen,
wie man sie in der
Realität meistens nicht
hinbekommt. Außerdem
gibt es im Spiel keine
Sorgen und Probleme.“
DONBOSCOmagazin 4/2013 15
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Don Bosco Medien GmbH, Sieboldstr. 11, 81669 München, Tel.: 0049/89/ 48008 330, service@donbosco-medien.de
„Manche Jugendliche, die exzessiv Computer spielen,
haben so etwas wie Entzugserscheinungen“, erklärt der
Sozialpädagoge Benjamin Grünbichler, der bei der Prä­
ventions­ und Suchthilfe „neon“ in Rosenheim Jugend­
liche berät, die sich nicht vom PC losreißen können.
„Einige werden sehr nervös oder aggressiv, wenn sie
nicht spielen dürfen. Aber exzessive Mediennutzung ist
nicht mit einer Sucht wie Alkoholabhängigkeit oder Dro­
gensucht vergleichbar. Beim Spielen gerät man zwar in
einen Flow, aber man ist trotzdem bei vollem Bewusst­
sein. Es ist kein Rausch wie von Alkohol oder Cannabis.“
Wenn Max am Computer saß, rückte alles andere in den
Hintergrund. War am Wochenende ein Familientreffen,
registrierte er zwar, dass er zum Kaffeetrinken gerufen
wurde, verdrängte das aber und verpasste schließlich
den Besuch. Wollten seine Eltern ihn zu einem Ausflug
mitnehmen, blieb er zu Hause am PC. Sie machten sich
Sorgen um Max. Nach einer erfolglosen Therapie stieß
Max’ Vater schließlich auf einen Aussteigerkurs für ex­
zessive Computerspieler von „neon“.
Kletterhalle statt Bildschirm
„Wir greifen in unserem Logout­Kurs das Interesse der
Jugendlichen an Fantasy, Gruppenerlebnissen und
Strategiespielen auf und helfen ihnen, das ins wirkli­
che Leben zu übertragen“, sagt Benjamin Grünbichler.
„Sie brauchen Alternativen zum PC­Spielen.“ Teil des
Programms ist zum Beispiel ein Rollenspiel mit allen
Kursteilnehmern in einer Kletterhalle. Die Jungs müssen
dann gemeinsam eine Mission erfüllen, wobei jeder im
Team eine eigene Aufgabe hat.
Im Logout­Kurs hat Max auch das Strategiespiel mit
selbst gebauten Kunststofffiguren kennengelernt. Statt
vorm Computer zu sitzen, ist er jetzt fast jeden Samstag
mit seinen neuen Kumpels aus dem Kurs unterwegs. Auf
großen Tischen bauen sie ihre Figuren auf, gehen Paint­
ball spielen oder klettern. Auch unter der Woche ist Max
oft in der Kletterhalle, mit Freunden oder seinen Eltern.
Das PC­Spielen wollte Max aber nie ganz aufgeben. „Es
macht mir eben Spaß. Warum sollte ich mit etwas aufhö­
ren, das ich gerne mache?“, sagt Max, als er nach einem
neuen Rahmen mit grauen Figurenteilen greift. „Man
muss es halt in Maßen genießen.“
Franz von Assisi – die Geschichte
des heiligen Franziskus
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Die Geschichte von Martin Luther
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Franziskus und die Farben der Lerche
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„Manche Jugendliche, die exzessiv
Computer spielen, haben so etwas
wie Entzugserscheinungen.“
Bei Strategie- und Online-Rollenspielen vergessen manche Spieler alles andere um
sich herum. Aber dieser „Flow“ ist kein Rausch wie bei Alkohol oder Drogen.
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Kindern und Jugendlichen fällt es oft
schwer, ein Spiel zu unterbrechen und
den Computer auszuschalten. Deshalb
müssen Sie als Eltern klare Regeln verein-
baren – denn Spielverbote helfen wenig.
Sprechen Sie mit den Kindern darüber,
wie lange und oft sie Computer spielen
dürfen. Achten Sie auch darauf, dass sich
alle an die Absprachen halten, und seien
Sie konsequent. Aber: Loben Sie Ihr Kind,
wenn es die Spielzeit richtig einhält.
Als Empfehlung gilt: Täglich sollten Kin-
der bis sieben Jahre nicht länger als eine
halbe Stunde, Acht- und Neunjährige
maximal 45 Minuten, Zehn- und Elfjähri-
ge höchstens eine Stunde und Zwölf- bis
13-Jährige bis 75 Minuten vor dem Bild-
schirm verbringen – egal ob Fernsehen,
Spiele oder Internet. Bei älteren Kindern
können Eltern auch ein bestimmtes Zeit-
kontingent pro Woche vereinbaren, das
sie sich dann selbstständig einteilen.
InformIeren sIe
sICh, was Ihr KInd
spIelT
Spielen Sie ab und zu gemeinsam mit den
Kindern ihr Lieblingsspiel. Zeigen Sie Inte-
resse und lassen Sie sich die Spiele von
Ihren Kindern erklären. Sie sind oft stolz,
wenn sie ihren Eltern etwas beibringen
können. Probieren Sie selbst das Spiel
aus, um zu sehen, ob es für Ihr Kind geeig-
net ist. Und: Sprechen Sie mit Ihrem Kind
darüber, warum Sie nicht mit dem Spiel
einverstanden sind.
Oft fragen Kinder nach einer Verlänge-
rung der vereinbarten Spielzeit, weil sie
gerade eine neue Runde begonnen ha-
ben. Wenn Sie das Spiel kennen, können
Sie rechtzeitig ein Signal geben, bevor
die Spielzeit abgelaufen ist.
Prüfen Sie außerdem, welche Sicherheits-
einstellungen Computer, Spielkonsole
oder das Lieblingsspiel bieten und nutzen
Sie diese.
welChes spIel IsT
das rIChTIge für
meIn KInd?
Generell sollten die Spiele Ihrer Kinder
keine Gewalt enthalten und sie nicht mit
Effekten überfordern. Achten Sie bei Com-
puterspielen auf die USK-Alterskennzeich-
nung, die in Deutschland auf der Verpa-
ckung der Spiele angebracht sein muss.
Onlinespiele bewertet die USK nicht, hier
müssen Sie sich selbst ein Bild machen.
Die Internetseiten www.spielbar.de, www.
internet-abc.de oder www.spieleratgeber-
nrw.de helfen Ihnen weiter.
Sogenannte Ego-Shooter sollten Sie frü-
hestens ab 16 Jahren erlauben.
aChTen sIe auf
KosTen und daTen-
sChuTz
Spiele, die mit Onlineerweiterungen wer-
ben, oder Aktualisierungen sind häufig mit
Kosten verbunden. Auch für Onlinespiele
und Spiele in sozialen Netzwerken wer-
den oft regelmäßige Gebühren verlangt.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind im Vorfeld
darüber. Kostenlose Spiele für Grundschul-
kinder können Sie zum Beispiel unter www.
blinde-kuh.de, www.fragfinn.de oder für äl-
tere Kinder unter www.klicksafe.de finden.
Achten Sie auch darauf, dass Ihr Kind keine
persönlichen Daten weitergibt. Gerade bei
Spielen in sozialen Netzwerken sollten Sie
überprüfen, ob Ihr Kind die richtigen Si-
cherheitseinstellungen gewählt hat.
Worauf Sie bei Computerspielen
achten sollten
es gIbT auCh noCh
eIne andere welT
Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass
nicht nur die virtuelle Spielwelt besonders
ist. Denn die digitale Welt kann das „ech-
te Leben“ nicht ersetzen. Schaffen Sie ge-
meinsame Aktivitäten mit Ihrem Kind, die
Sie in den Familienalltag integrieren. Ver-
mitteln Sie den Kindern, dass es wichtig
ist, Freunde zu treffen oder draußen aktiv
zu sein. Bieten Sie attraktive Alternativen
an und führen Sie zum Beispiel computer-
freie Tage ein, sodass auch andere Aktivi-
täten geschätzt werden.
Benutzen Sie den Computer oder die Kon-
sole nicht als Mittel für Belohnung oder
Strafe. Damit geben Sie den Spielen eine
viel zu große Bedeutung.
Weitere Informationen und hilfreiche
Tipps zum Umgang mit Internet,
Computerspielen und Medien:
www.schau-hin.info
SCHAU HIN! hilft Eltern und Erziehenden
mit zahlreichen alltagstauglichen Tipps
und Empfehlungen, ihre Kinder im Um-
gang mit Medien zu stärken.
www.klicksafe.de
Im Auftrag der Europäischen Kommission
gibt diese Seite nützliche Sicherheits-
tipps im Internet.
www.erfurter-netcode.de
Der Erfurter Netcode e.V. ist ein Verein,
der sich für die Qualität von Kindersei-
ten im Internet einsetzt und ein Siegel
vergibt. Internetseiten, die das Siegel des
Erfurter Netcode tragen, haben aus-
schließlich kindgerechte Inhalte.
1
2
3
5
4
TIpps
für
elTern
Text: Stefanie Singer, schau-hin.info; Foto: iStockphoto
DONBOSCOmagazin 4/2013 17
FamilieProvokante Heiratsweisheiten –
ungeordnet
Kol umn e von M o n ika Slo uk: A us gesp rochen
Monika Slouk (37) arbeitet als Religionsjournalis-
tin in Wien. Ihr Mann Petr (44) ist promovierter
Theologe und selbstständiger Berater. Gemeinsam
mit ihren beiden Töchtern Klara (6) und Salome (4)
lebt die Familie in Klosterneuburg.
In ihrer Kolumne „Ausgesprochen“ spricht Monika
Slouk das aus, was sie in ihrem turbulenten Alltag
erlebt und was sie über aktuelle Fragen in unserer
Gesellschaft denkt.
Am 12. Juni 1999
stand das Ehe-
paar Slouk am
Beginn seines
gemeinsamen
Lebensweges.
Heute ist Mona
eine erfahrene
Partnerin mit
vielen Gedanken
über die Ehe.
Fotos: Isti Lauringer
18 DONBOSCOmagazin 4/2013
Familie
W er ist schuld daran, wenn wir am Sonntag zu
spät in die Kirche kommen? Oder: Wer ist ver­
antwortlich fürs pünktlich Kommen? Diese
Frage tauchte in unserer Familie auf, längst bevor wir
Kinder hatten. Vor Kurzem hat sie uns wieder einmal
einige aufregende Sonntagsstunden beschert. Es gibt
Sonntage, an denen die Morgenstunden nur so rasen,
und wir hinterher. Manchmal ertragen wir das ergeben
und ärgern uns gemeinsam. Hin und wieder jedoch re­
bellieren wir dagegen und ärgern uns gegenseitig.
Wer ist also schuld an der Familienverspätung? Eine
Frage, auf die wir noch keine gemeinsame Antwort ge­
funden haben. Nach einer Diskussion, die einem span­
nenden Tennisspiel gleicht, einigen wir uns auf ein paar
Punkte, die wir an den kommenden Sonntagen beach­
ten wollen, damit sich alles gut ausgeht. Worauf wir uns
nicht einigen, ist der Blick auf die vergangenen Stunden.
Jeder hat seine Wahrheit. Irgendwann kommt der Punkt,
an dem wir reif sind, die Wahrheit des anderen mit Re­
spekt zu behandeln, sowie die eigene auch. Hoffnungs ­
froh schauen wir dann auf die nächsten Sonntage, an
denen wir die Zeit sicher wieder im Griff haben werden.
Ich nehme diese Geschichte zum Anlass für die erste
meiner drei ungeordneten Heiratsweisheiten, ich nenne
sie die „unpäpstliche“: Zum Heiraten und noch mehr
zum verheiratet Sein ist ein gewisser Hang zum Relati­
vismus hilfreich. Zu jenem Relativismus, der mir ermög­
licht, meinen Partner zu lieben, zu achten und zu ehren,
auch wenn sich seine Wahrheit in manchen Punkten
von meiner unterscheidet.
Die zweite meiner ungeordneten Heiratsweisheiten
nenne ich die „unmoderne“: Wer nicht nur den Partner
oder die Partnerin, sondern auch deren Herkunftsfami­
lie schätzt und ehrt (muss ja nicht immer lieben sein),
hat bessere Voraussetzungen für eine dauerhafte Bezie­
hungsgeschichte. „Ich habe DICH geheiratet, nicht deine
Familie!“, ist ein beliebter Spruch in schnulzigen Roma­
nen. Stimmt schon. Aber wer den Partner oder die Part­
nerin immer gegen die „Familie“ ausspielt, nimmt sich
viel vor, nämlich viele kräfteraubende Spielchen. Dass
die lebenslange Partnerschaft unkomplizierter läuft,
wenn die Herkunftsfamilien irgendwie „zusammenpas­
sen“ (Betonung auf irgendwie), kommt mir selbst ziem­
lich verstaubt vor, aber bewährt. Der Umkehrschluss gilt
übrigens nicht. Wenn die Herkunftsfamilien sich verste­
hen, verstehen sich die Ehepartner nicht automatisch.
Meine dritte ungeordnete Heiratsweisheit lautet „unge­
schminkt“: Gegenseitige körperliche Anziehungskraft
ist ein großer Vorteil. Ich hatte vor 18 Jahren wenig Ah­
nung von körperlicher Anziehungskraft. Angesichts ei­
nes ganz bestimmten Bekannten war mir trotzdem ziem­
lich bald ziemlich klar: Diesen Mann werde ich entweder
nicht mehr treffen oder irgendwann umarmen wollen. Er
sah das offenbar ähnlich. Wir sind inzwischen fast dop ­
pelt so alt wie damals. Und wenn im Trubel des Alltags
das Umarmen manchmal zu kurz kommt, dann lebe ich
in der Vorfreude auf eine Umarmung, und ich weiß, die­
se Vorfreude teile ich mit meinem Mann. Unser Kater Findus ist die
meiste Zeit draußen. Er
schläft gerne bei unseren
Nachbarn in der Scheu­
ne, dann riecht er immer
ganz toll nach Heu. Aber
zum Fressen kommt Fin­
dus immer zu uns ins
Haus. Dann lässt er sich
gerne von uns streicheln
und kraulen.
Jakob (9) und Paul (10) leben
mit ihren Geschwistern und ihren
Eltern bei Erding in der Nähe von
München.
Unsere Familie hat 50
Rinder, mit denen ich
jeden Tag zum Fluss gehe
um sie zu tränken. Die
Stöcke brauche ich, um
sie anzutreiben, aber ich
schlage sie nicht damit,
das mag ich nicht. Meine
Lieblingskuh ist weiß und
heißt Fayola, das bedeu­
tet „Fee“.
Kio (10 ) lebt in einem Dorf im
Südwesten Nigerias, an der Gren-
ze zu Kamerun. Gemeinsam mit
seinem Bruder hütet er die Rinder
seiner Familie. Eine Schule besu-
chen die beiden nicht, da sie zu
weit entfernt ist.
Mein Haustier
Hier und dort
Fotos: Katharina Hennecke, Friedrich StarkMit offenen Armen aus
Stahl und Fiberglas
Was einstmals lebendig war, landet irgendwann im Museum.
Früher zumindest, heutzutage gibt es noch eine andere Form
der Konservierung: den Nachbau im Freizeitpark. Die polnische
Stadt Tschenstochau hat nicht nur ein Paulinerkloster mit dem
Gnadenbild der „Schwarzen Madonna“, das jedes Jahr drei
Millionen Pilger besuchen, sondern auch den Heiligen Berg.
So heißt zumindest ein Vergnügungspark, in dem sich die Ba-
siliken von Lourdes, Fatima und Altötting aneinander schmie-
gen. So viel Wallfahrtsatmosphäre wie dort, scheinen die Be-
treiber zu glauben, ist nirgends. Aber das Sakrale lässt sich
nun mal nicht so einfach reproduzieren, und der lebendige
Glaube lässt sich nicht aus schnödem Stein pressen. So sind
die Kirchen von Tschenstochaus „Heiligem Berg“ wenig mehr
als Monumente der Erstarrung.
Ihnen zur Seite gestellt wurde jüngst eine riesenhafte Statue
von Johannes Paul II., sieben Tonnen Fiberglas und Stahl, bei-
nahe 14 Meter hoch, die größte ihrer Art weltweit. Hoch, höher,
am höchsten, ein Wettlauf, der mit viel Idealismus geführt
wird: Nach lauten Protesten der Bürger von Tschenstochau
kehrt die Statue der Stadt nun doch nicht den Rücken zu, son-
dern breitet ihre Arme über den Einwohnern aus. Die Betreiber
des Freizeitparks hoffen auf einen Eintrag ins Guinness-Buch
der Rekorde.
Größe an sich ist nichts Schlechtes: Cristo Redentor, Christus
der Erlöser, der über Rio de Janeiro wacht, misst gar dreißig
Meter von der Sohle bis zum Schopfe. Aber für Gegenwart und
Zukunft der Kirche viel bedeutender sind die Millionen kleiner,
lebendiger beweglicher Gläubigen, die im Juli die Stadt beim
Weltjugendtag in einen wahren Festort verwandeln. Und zur
Statue, immerhin, dürfen sie auch, und das sogar rund um
die Uhr.
Text: Tim Slagman; Foto: KNA-BildDONBOSCOmagazin 4/2013 21
mittendrinBingo für den
Weltjugendtag
Ende Juli in Rio mit Menschen aus der ganzen Welt singen,
tanzen, beten und Papst Franziskus sehen, das wünschen sich derzeit viele junge
Christen in Brasilien. Aber der Eintritt für den Weltjugendtag ist teuer.
Das DON BOSCO magazin berichtet über kreative Spendenveranstaltungen
und die Vorbereitungen der Salesianer auf das internationale Jugendtreffen.
Text: Claudia Steiner, Fotos: Florian Kopp/Don Bosco Mission
Der Hammer saust mit voller Wucht auf die Tischplat­
te, während der Moderator mit sonorer Stimme „Bingo“
über den Platz schreit. Eduarda hat als Erste ihre Bingo­
karte komplett, und Roberto, der Bingo­Schreier, über­
reicht ihr ein Huhn als Gewinn. Schon dreht sich die
Glasbox mit den Bingokugeln weiter, und die gezogenen
Zahlen hallen in schneller Folge durch den Innenhof des
Pfarrzentrums in Itaquera. Dort sitzen 60 Menschen al­
len Alters über Ihre Bingokarten gebeugt und kreuzen
in Windeseile die ausgerufenen Zahlen durch. Keiner
der gelben Plastikstühle bewegt sich, kein Windhauch
lässt die Hitze dieses Sonntages erträglicher erscheinen.
Jeder der fünf Dutzend Bingospieler möchte einen der at­
traktiven Gewinne mit nach Hause nehmen. Raymundo
Vorbereitungen zum Mega­Event
Zum Weltjugendtag in
Rio werden mehr als zwei
Millionen Teilnehmer
erwartet, um gemeinsam
zu singen, zu tanzen und
zu beten.
Don Bosco
22 DONBOSCOmagazin 4/2013spekuliert auf einen neuen Mixer, Adriana auf schicke
Flip­Flops. Die Spielleidenschaft der Brasilianer kommt
Rita, Zenildo und Luciana gerade recht. Die drei Organi­
satoren des Abends sind Mitglieder der Katechesegruppe
in der Pfarrei, die plant, mit den Einnahmen aus dem
Bingospiel zum Weltjugendtag nach Rio zu fahren. Dafür
haben sie Bingokarten gedruckt und verkauft, Preise ein­
geworben, Menschen in der Pfarrei zum Spenden von Ge­
tränken, Würstchen und Kuchen animiert und natürlich
den erfahrenen Bingo­Schreier Roberto angeworben.
Ähnlich kreative Aktionen kann man seit Anfang des Jah­
res überall in Brasiliens Pfarrgemeinden erleben. „Der
Eintritt zum Weltjugendtag ist sehr hoch, da Brasilien
gemeinsam mit den Staaten Mitteleuropas in die Länder­
gruppe mit dem höchsten Beitrag eingruppiert wurde“,
erklärt Padre Marcio aus dem Provinzialat der Salesianer.
„Deshalb können sich viele Jugendliche die Teilnahme
nicht so einfach leisten und versuchen, die 600 Reais
(umgerechnet ca. 230 €) für die Woche durch Charity­
Aktivitäten zusammenzukratzen.“ In Poxoréu im Wes­
ten des Landes organisieren die Jugendlichen ein großes
Fischessen, in Belo Horizonte verkaufen sie Kuchen und
Süßigkeiten. Im Juli wird Brasiliens Jugend dann in tau­
senden Bussen unterwegs nach Rio sein. „Mein Traum
ist es, den neuen Papst zu sehen.“, schwärmt Evelyn aus
Rio „Und dieses Feeling zu erleben, mit lauter Menschen
aus anderen Ländern zu singen, zu tanzen und zu beten.
Deshalb will ich unbedingt hin zum Weltjugendtag.“ Ob
sie das Geld zusammenbekommt, weiß sie noch nicht.
Fünf Tage lang, von 23. bis 28. Juli, feiern junge Christen aus allen Konti-
nenten unter dem Leitwort „Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker
der Erde“ (Mt 28,19) den Weltjugendtag in Rio de Janeiro. Erwartet wer-
den mehr als zwei Millionen Teilnehmer, darunter etwa 500 Jugendliche
und junge Erwachsene aus Österreich. Ab dem 25. Juli wird auch Papst
Franziskus den Weltjugendtag begleiten, mit einer Willkommensfeier,
verschiedenen Treffen und Gesprächen und einer großen Abschluss-
messe. Der Besuch in Brasilien ist die erste Auslandsreise von Papst
Franziskus.
Das Weltjugendtreffen wird für die Salesianische Jugendbewegung vor
allem auch das Kennenlernen und Mitarbeiten in brasilianischen Don
Bosco Projekten sein (Siehe Spendenprojekt auf Seite 25). Insgesamt
sind die Jugendlichen drei Wochen unterwegs. So erwartet die Teilneh-
mer eine unvergessliche Zeit mit Gemeinschaft, Freude, neues Land,
andere Kultur, Solidarität und gelebte Nächstenliebe, Begegnungen mit
Menschen aller Länder und Sprachen, Begegnung mit Jesus Christus!
Informationen: weltjugendtag.donbosco.at
Weltjugendtag in Rio de Janeiro
Schon 2011 begegneten sich die Don Bosco Jugend aus
Österreich und Brasilien beim WJT in Madrid. Sie freuen sich
auf ein Wiedersehen beim Fest der Salesianischen Jugend-
bewegung in Rio.
Auf jeden Fall wird sie am Fest der salesianischen Jugend
in Niterói, einer Satellitenstadt von Rio mit rund 500.000
Einwohnern, teilnehmen. „Wir erwarten hier zwischen
8.000 und 10.000 Jugendliche aus aller Welt“, erläutert
Padre Marcio die Vorbereitungen der Salesianer zum
weltweiten Glaubenstreffen der Jugend. „Und natürlich
den Generaloberen, Don Pascual Chàvez, der drei Tage
mit den Jugendlichen verbringen wird.“ Ein Team aus 150
Ehrenamtlichen organisiert Übernachtungsplätze bei
Familien, in Turnhallen und Klassenräumen, bestellt
das Mittagessen, macht Einsatz­
pläne und freut sich darauf,
der Welt zu zeigen, wie gast­
freundlich Brasilien ist.Obwohl er nur wenige Kilometer vom Zentrum des Groß­
ereignisses entfernt wohnt, wird der zwölfährige Gabriel
nichts von dieser Gastfreundschaft erleben. In der Favela
Jacarezinho kann sich kaum einer der Jugendlichen den
Eintritt zum Weltjugendtag leisten, die meisten hier ha­
ben andere Probleme.
Durch dunkle, schmale Gassen, über müllübersäte Trep­
pen und unter heillosem Stromkabelgewirr hindurch
gelangen wir zu Gabriels Haus. Wir steigen bis in den
dritten Stock hinauf, wo uns der Zwölfjährige mit seiner
Tante empfängt. Seit vier Jahren besucht Gabriel die Don
Bosco Schule in der Favela. „In der staatlichen Schule
gab es keine Struktur, jeder konnte machen, was er woll­
te, die Lehrer sind nicht mit den Jugendlichen klarge­
kommen“, erzählt uns Maria, die Tante, bei der Gabriel
seit seinem siebten Lebensjahr lebt. „Seit Gabriel zu Don
Bosco geht, hat er sich geändert“, sagt sie freudestrah­
lend. „Zu Beginn war er sehr anstrengend, hat andere
geschlagen und sich nicht konzentriert. Aber die Don
Bosco Lehrer haben es mit viel Geduld geschafft, dass er
Gabriel lebt bei
seiner Tante in
Rios Armenvier-
tel Jacarézinho.
Den Weltjugend-
tag will er sich im
Fernsehen an-
schauen.
jetzt gerne zur Schule geht. Er hat auch psychologische
Unterstützung bekommen. Ich bin so froh, dass ich diese
Schule gefunden habe.“
Gabriel hatte Glück. Seine alkoholabhängige Mutter hat
ihn regelmäßig geschlagen und alleine gelassen. Der
dunkelhaarige Junge fand keinen Halt für seine kindli­
chen Bedürfnisse, bis ihn seine Tante zu sich nahm und
ihm ein Stipendium für die Don Bosco Schule besorgte.
Auch wenn Maria ihn immer wieder an die Hausauf­
gaben erinnern muss, ist er nun ein begeisterter Schü­
ler. „Am liebsten möchte ich Fußballspieler werden“,
schwärmt Gabriel. „Und wenn das nicht klappt, weil ich
doch manchmal am Tor vorbeischieße, dann werde ich
Buchhalter. Ich war schon ein paar Mal bei meiner Cou­
sine im Büro, das hat mir gut gefallen.“ Und der Weltju­
gendtag? „Den werde ich mir im Fernsehen anschauen.“
Auch die 14­jährige Thamiris aus Poxoréu im Osten des
wirtschaftlich stärksten Landes Lateinamerikas wird von
dieser besonderen Glaubenserfahrung höchstens aus
Alltag in Brasilien
24 DONBOSCOmagazin 4/2013Thamiris (re.),
hier mit ihrer
Mutter und
ihrem Bruder,
besucht Abend-
kurse im Don
Bosco Jugend-
zentrum in
Poxoréu.
zweiter Hand erfahren. Wir treffen sie abends in einem
kleinen Häuschen am Rande der ehemaligen Goldsu­
cherstadt. Putz bröckelt von den speckigen Wänden, auf
dem Sofa liegt ein großer Haufen ungebügelter Wäsche.
Thamiris Mutter bringt ihre zwei Kinder mit Gelegen­
heitsjobs durch. Der Vater hat sich nach der Geburt des
zweiten Kindes aus dem Staub gemacht. Mit Kinderhüten
und Wäschewaschen verdient sie genug zum Überleben,
aber das Geld für die Medikamente ihres an Epilepsie lei­
denden Sohnes kann sie oft nicht aufbringen. Ein Glück,
dass die Don Bosco Schwestern aushelfen, wenn es gar
nicht mehr weitergeht. Der Besuch des Weltjugendtags
im 2000 Kilometer entfernten Rio bleibt da ein unerreich­
barer Traum.
Thamiris ist froh, dass sie ihre Nachmittage im Don Bosco
Jugendzentrum verbringen und dort ihrer Leidenschaft,
dem Fußballspielen, nachgehen kann. Außerdem nimmt
sie abends an den Computerkursen im Zentrum teil. „Ich
mache verschiedene Kurse im Jugendzentrum, damit ich
viel lerne. Ich denke, das hilft mir, wenn ich später arbei­
ten will.“, erklärt das Mädchen. „Ich möchte Ärztin wer­
den. Dafür brauche ich ein Stipendium. Mit meinen guten
Noten in der Schule und allem, was ich bei Don Bosco ge­
lernt habe, schaffe ich das!“, sagt sie mit Überzeugung.
So wie sie dort sitzt und herausfordernd in die Runde
blickt, sind wir überzeugt, dass Thamiris ihren Lebens­
traum erreichen wird – auch ohne auf dem Weltjugend­
tag gewesen zu sein. Und vielleicht wird eines der rei­
cheren Mädchen aus der Schule ihr von den Erlebnissen
in Rio berichten und sie auf diese Weise an dem großen
Ereignis ihres Landes teilhaben lassen.
Die Arbeit der Salesianer Don Boscos hat in Brasilien be-
reits 1883 begonnen. Heute sind 816 Salesianer in allen
Teilen des Landes tätig. Sie wirken in über 600 Einrich-
tungen an 128 verschiedenen Standorten. Dazu gehören
unter anderem Straßenkinderzentren in den größeren
Städten, landwirtschaftliche Ausbildungszentren (etwa
im Mato Grosso), Jugendheime, Schulen und medizini-
sche Versorgungseinrichtungen. An allen Standorten des
Ordens gibt es große Berufsbildungszentren, in denen
Jugendliche eine Berufsausbildung absolvieren können.
Darüber hinaus sind die Salesianer in der Arbeit mit
der indigenen Bevölkerung Brasiliens aktiv und haben
an der Universität Campo Grande ein Institut zur Erfor-
schung und Bewahrung der lokalen indigenen Kulturen
gegründet.
Die Salesianer Don Boscos
in Brasilien
Spendenprojekt
Die Salesianische Jugendbewegung will auf die Sozialprojekte in
Brasilien aufmerksam machen. Die Gruppe wird zwei Projekte
besuchen:
In der 80.000-Einwohner-Stadt Lorena führen die Salesianer Don
Boscos eine Grund- und Berufsschule, ein Universitätszentrum und
mehrere Jugendzentren. In allen diesen Einrichtungen werden nach
dem Grundsatz „Bildung überwindet Armut“ den Kindern und Ju-
gendlichen Zukunftsperspektiven eröffnet.
In São Paolo-Itaquera gibt es das Sozialprojekt „Obra Social Dom
Bosco“. Das Zentrum bietet Programme von der Kinderkrippe bis
zur Seniorenbetreuung. Das bedeutendste Angebot ist die Berufs-
ausbildung: In dreizehn verschiedenen Bereichen werden derzeit
1720 junge Menschen ausgebildet.
Das Engagement der Salesianer Don Boscos in diesen Sozial-
projekten bedeutet auch eine große finanzielle Herausforderung.
Spendenkonto 90.630.600
BLZ 60.000
Stichwort: Brasilien 26 DONBOSCOmagazin 4/2013
Don Bosco Brennpunkt
„Mir wurscht“
Entwicklungshilfe
im sechstreichsten Land der Welt
M ir wurscht, wenn 3.000 Kinder verhungern.“ Mit
diesen und ähnlichen Aussagen machen von
Herbst 2012 mehr als 40 österreichische Orga­
nisationen, darunter auch Jugend Eine Welt – Don Bosco
Aktion Österreich, auf die dramatische Situation in der
österreichischen Entwicklungszusammenarbeit aufmerk­
sam. Durch weitere Aktionen und Gespräche mit Natio­
nalratsabgeordneten wurde auf die schwierige finanzielle
Situation aufmerksam gemacht. Über 100 Aktivistinnen
und Aktivisten von unterschiedlichsten Organisationen de­
monstrierten am 23. Mai 2013 vor dem Parlament und erin­
nerten die Nationalratsabgeordneten an ihr Versprechen,
das Budget der Entwicklungszusammenarbeit nicht zu kür­
zen. Denn Österreich gehört mit seinem Beitrag von gerade
einmal 0,27% des Bruttonationaleinkommens bereits jetzt
zu den Schlusslichtern in der Europäischen Union. Viel
mehr sollte die Österreichische Entwicklungszusammenar­
beit (OEZA) Länder in Afrika, Asien, Zentralamerika sowie
in Südost­ und Osteuropa bei ihrer nachhaltigen sozialen,
wirtschaftlichen und demokratischen Entwicklung im
Auftrag des Staates unterstützen. So trägt auch Österreich
dazu bei, Armut zu mindern, die natürlichen Ressourcen
zu schützen sowie Frieden und menschliche Sicherheit in
den Partnerländern zu fördern. Langfristige Programme
und Projekte leisten Hilfe zur Selbsthilfe und verbessern
die Lebensbedingungen der Menschen der Region.
brennpunKT
Fotos: laif, Don Bosco Mission; Texte: alu, Ulla Fricke
Im Vorjahr setzten sich Don Bosco Projekt-
partnerinnen und –partner anlässlich ihres
Besuchs zum 15. Geburtstag von Jugend
Eine Welt für die Kampagne einDONBOSCOmagazin 4/2013 27
Don Bosco
Don Bosco Aktuell
Volontäre
Don Bosco
Drei Fragen an Reinhard Heiserer
»Mit diesen Kürzungen sind wir noch mehr
auf die Solidarität unserer Spenderinnen
und Spender angewiesen.«
Das Budget für die staatliche Entwicklungszusammenarbeit wurde in Österreich in den letzten
Jahren massiv gekürzt. Weitere Budgeteinschnitte stehen bevor. Mit der Kampagne „Mir wurscht“
setzen sich über 40 Organisationen für eine Aufstockung und Ausweitung des Entwicklungshilfe-
budgets ein. Eine dieser Organisationen ist Jugend Eine Welt – Don Bosco Aktion Österreich.
Reinhard Heiserer, Vorstandsvorsitzender des Vereins, erklärt die Folgen der Kürzungen.
Finanzministerin Maria Fekter meinte
zur Kritik an den Kürzungen, dass die
Abwicklung der Gelder über internatio-
nale Finanzinstitutionen auch eine kor-
rekte Abwicklung garantiere. Sie wolle
jedoch keine Vereine in Österreich för-
dern und bezog sich dabei auf die Ent-
wicklungshilfe kleinerer Organisatio-
nen. Was sagen Sie dazu?
Kirchlichen und privaten Organisationen
werden jährlich von großzügigen Spende­
rinnen und Spendern weit über 100 Mil­
lionen Euro für Entwicklungszusammen­
arbeit und Humanitäre Hilfe anvertraut.
Das ist mehr, als der Staat dafür ausgibt!
Dieses Vertrauen verpflichtet. Jugend Eine
Welt unterwirft sich dabei strengen Kon­
trollen. Wir werden von einem externen
Rechnungsprüfer und einem Wirtschafts­
prüfer geprüft. Die Aussage der Finanzmi­
nisterin weise ich daher vehement zurück.
Wir zeigen klar, dass die Spenden dort an­
kommen, wo sie ankommen sollen.
Was geschah im Rahmen der „Mir
wurscht“-Kampagne?
Bei der Kampagne haben sich zahlreiche
Organisationen, darunter auch Jugend
Eine Welt, dafür stark gemacht, dass die
Kürzungen im Budget der Entwicklungs­
zusammenarbeit zurückgenommen wer­
den und das Budget bis 2017 aufgestockt
wird. Mit zahlreichen Nationalratsab­
geordneten wurden Gespräche geführt.
Über 100 von ihnen haben sich gegen
eine Kürzung ausgesprochen. Trotzdem
hat die Bundesregierung am 23. Mai 2013
das Bundesfinanzrahmengesetz beschlos ­
sen, das zu Kürzungen führen wird. Für
das sechstreichste Land der Welt ist dies
ein Armutszeugnis, denn es zeigt, dass
bei den Menschen gespart wird, die am
dringendsten unsere Solidarität und Un­
terstützung brauchen.
Welche Auswirkungen werden diese
Kürzungen auf die unterstützten Don
Bosco Projekte haben?
Die Finanzierung von Don Bosco Projek­
ten für Kinder und Jugendliche mit Mitteln
der österreichischen Entwicklungszusam­
menarbeit war schon bisher sehr schwie­
rig. Von ursprünglich 100 Millionen Euro
2010 sind 2014 nur noch 68 Millionen bud­
getiert. Das bedeutet eine Kürzung um ein
Drittel. Jede und jeder kann sich vorstel­
len, was eine solche massive Kürzung be­
deutet. Es wird nun also noch schwieriger
für uns, Projekte und Nothilfe zu finan ­
zieren. Jugend Eine Welt ist daher noch
mehr auf die großzügige Unterstützung
und Solidarität unserer Spenderinnen
und Spender angewiesen. Schon bisher
haben zahlreiche Menschen unsere Arbeit
unterstützt. Für dieses Vertrauen möchte
ich mich herzlich bei den Spenderinnen
und Spendern bedanken.
Mir wurscht
Im Rahmen der Kampagne stellen über 40 Organisationen die Forderung
nach einer Aufstockung der Entwicklungshilfe. Konkret wird gefordert: für
2014 eine Rücknahme der Kürzungen seit 2010. Also wieder 100 Millionen
Euro für konkrete Projekte, zuzüglich 5 Millionen Euro für den Auslandskata-
strophenfond. Bis 2017 soll das Budget für Entwicklungshilfe auf 220 Millio-
nen Euro ansteigen und das Budget für den Auslandshilfefonds auf 22 Milli-
onen Euro. Jugend Eine Welt engagiert sich für diese Ziele.
Weitere Informationen
www.jugendeinewelt.at oder www.mirwurscht.org.
Jugend Eine Welt –
Don Bosco Aktion Österreich
St. Veit-Gasse 21, 1130 Wien
Tel.: 01 / 8 79 07 07-0
www.jugendeinewelt.at
So können Sie helfen
Reinhard Heiserer,
Vorstandsvorsitzender
der Don Bosco Partner-
organisation Jugend
Eine Welt ÖsterreichKeine schlechten Noten
wegen Don Bosco
Karl Peraus SMDB engagiert sich als Ehrenamtlicher in der Pfarre Linz
Don Bosco. Mit der Pfarre hat er bereits in seiner Kindheit gute Erfahrungen
gemacht. Die möchte er heute als Ehemaliger Don Boscos und als Salesianischer
Mitarbeiter an die Kinder und Jugendlichen weitergeben.
Das DON BOSCO magazin hat ihn einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.
Text und Fotos: Markus Schauta
Karl Peraus (re.) und
Pfarrer Karl Bleibtreu
SDB (li.) mit Jugend-
lichen am Fußballplatz
der Don Bosco Pfarre
in Linz.
09:30 uhr
Im Pfarrhaus der Don Bosco Pfarre Linz tüftelt Karl Pe­
raus am Programm für die Ferienwoche. Für den 9. Juli
war ein Besuch im Urzeitpark in Gosau geplant. Doch das
Hochwasser hat ihm einen Strich durch die Rechnung
gemacht. „Den Urzeitpark hat es weggeschwemmt“, sagt
Herr Peraus. Bis zum Ferienbeginn ist der nicht wieder
aufgebaut. Gemeinsam mit Schwester Veronika Sturm
FMA ist ein Ersatzprogramm bald gefunden: Sie be­
schließen, mit den Kindern nach Hallstatt ins Salzberg­
werk zu fahren.
Die jährliche Ferienwoche der Don Bosco Pfarre findet
heuer von 8. bis 13. Juli statt. „Wir bieten den Kindern
ein tolles Programm“, sagt Herr Peraus, und was er dann
aufzählt, überzeugt: eine Erlebniswanderung auf die
Egglalm, ein Besuch bei der Polizeihundestaffel in Linz,
eine Schatzsuche am Ufer der Donau und noch viel mehr.
40 Euro kostet die Woche pro Kind. Das inkludiert Ein­
tritte, Jausen, Mittagessen und die Busfahrten. So kön­
nen auch Kinder dabei sein, bei denen es in der Familie
finanzielle Engpässe gibt.
11:30 uhr
„Cola und Energy­Drinks – das muss sein“, erklärt Per­
aus, während er frische Getränke in den Kühlschrank
im Jugendclub räumt. Außerdem gibt es Schinken, Käse
und Toastbrot. Zweimal die Woche sind die Jugendlichen
abends hier. „Da wollen sie dann schon eine Kleinigkeit
28 DONBOSCOmagazin 4/2013Schwester Veronika bei letzten Regieanweisungen für den
Raben, die Eule und den Marienkäfer
essen“, weiß Peraus. „Alkohol gibt es keinen im Jugend­
club“, betont er. Der 65­Jährige hat den Club vor sieben
Jahren ins Leben gerufen: „Damals haben wir mit drei
Jugendlichen begonnen.“ Inzwischen seien es 25 Jugend­
liche, die regelmäßig den Club im Kellergeschoss des
Pfarrhauses besuchen, um Tischtennis, Darts und Tisch­
billard zu spielen oder um sich gemeinsam ein Fußball­
match anzusehen.
12:00 uhr
Herr Peraus gönnt sich eine Pause: „Wir wollen den
Kindern und Jugendlichen ein zweites Zuhause bieten,
wo sie sich wohlfühlen können“, sagt er. So wie es Herr
Peraus in seiner Kindheit in der Don Bosco Pfarre erlebt
hatte. Mit acht Jahren trat er der Jungschar bei. Das war
1956. In diesem Jahr kam auch der heutige Pfarrer, Pater
Karl Bleibtreu SDB, als Assistent in die Linzer Pfarre. „Er
hat mit uns im Talar Fußball gespielt – das war sensatio­
nell.“ Seit damals blieb er mit der Pfarre verbunden, wo
er schließlich auch seine Frau kennenlernte.
14:00 uhr
Nach dem Mittagessen kommt Peraus ins Pfarrhaus zu­
rück. Er wohnt nur einen halben Kilometer entfernt. Jetzt
hilft er Pfarrer Bleibtreu bei den Vorbereitungen für das
Seniorentreffen heute Abend. Gemeinsam wollen sich
die Senioren Dias von ihrem Ausflug nach Vorarlberg
ansehen.
15:00 uhr
Peraus geht los, um die Kinder von der Nachmittagsbe­
treuung aus der nahen Volksschule für den „Kids­Treff“
abzuholen. Das Kindertreffen gibt es jeden Mittwoch
von 15:30 bis 17:00 Uhr im Pfarrhaus. Er wartet im Erd­
geschoss der Schule, bis die Kinder aus den Klassenzim­
mern kommen. „Aufgaben sind schon fertig!“, ruft ihm
ein Bursche entgegen, als er aus der Klasse stürmt. Mit
der Schule wurde vereinbart, dass die Kinder nur dann
mitkommen dürfen, wenn sie ihre Hausaufgaben erle­
digt haben. „Morgen gehen wir schwimmen“, erzählt
ihm ein Mädchen, während es sich seinen Mantel über­
zieht. „Ich habe einen Zweier auf den Mathetest!“, strahlt
ihm ein anderes Mädchen entgegen.
15:30 uhr
Es geht los zum Pfarrhaus. Herr Peraus voran, am Ende
der Kolonne eine Kollegin und dazwischen 25 Kinder,
die schreien, lachen, sich gegenseitig stoßen und zetern.
Klar, die Kleinen haben einen langen Schultag mit Still­
sitzen hinter sich. Im Pfarrhaus angekommen, ziehen
sich alle die Schuhe aus, Kaugummis werden in den
Mülleimer gespuckt, Handys abgegeben.
16:30 uhr
Herr Peraus tröstet einen zwölfjährigen Burschen, des­
sen Leiberl beim Herumtollen zerrissen ist. Dann begin­
nen die Proben für das Abschlussfest. Schwester Veroni­
ka schaltet den CD­Player an, und neun Kinder tanzen
zu „Achy Breaky Heart“. Anschließend kommt das Lied
vom Wackelpudding, bei dem alle Kinder mittanzen be­
ziehungsweise mitwackeln.
17:00 uhr
Jetzt beginnen die Proben für die Theaterstücke. Schwes­
ter Veronika gibt Regieanweisungen. „Die Kinder mit
Lernschwächen lesen die Texte von einem Zettel ab“, er­
klärt Peraus. Sie hätten mit dem Lernstoff in der Schule
bereits genug zu tun. Der soll wegen des Theaterstücks
nicht vernachlässigt werden. „Sie sollen nicht wegen
Don Bosco schlechte Noten bekommen.“ Die Kinder, die
nicht beim Theaterstück mitmachen, verlassen mit Herrn
Peraus den Festsaal, um Weitschießen von Schaumstoff­
raketen zu spielen.
DONBOSCOmagazin 4/2013 29
Don Bosco
» Wir wollen den Kindern und Jugendlichen ein zweites
Zuhause bieten.«Pfarre Don Bosco
Fröbelstraße 30
4020 Linz
Tel.: 0732/65 61 85-30
pfarre.linz@donbosco.at
17:30 uhr
Nach Schule, Hort und Theaterprobe sind die Kinder
jetzt schon recht unruhig. Das Verteilen der Einladun­
gen für die Abschlussfeier, die die Kinder ihren Eltern
übergeben sollen, wird für Schwester Veronika zur He­
rausforderung. Es sei immer etwas schwierig, wenn die
Kinder direkt von der Schule in das Pfarrhaus kommen,
weiß Peraus. Wenn möglich, gebe es daher zuerst großes
Austoben am Sportplatz: „Das war heute nicht möglich.
Vom vielen Regen ist der Sportplatz völlig durchnässt.“
17:45 uhr
Als die Kinder gegangen sind, zündet sich Herr Peraus
eine Zigarette an. Am Donnerstag und Freitag gibt es
die Jugendclub­Abende. Am Samstag findet die nächste
Probe für das Abschlussfest statt. Gelegentlich werde er
auch nachts von Jugendlichen angerufen, erzählt Per­
aus: „Ich hab ihnen angeboten, sie können sich rund um
die Uhr bei mir melden, wenn sie ein Problem haben.“
Da kann es dann schon vorkommen, dass er um 1:00 Uhr
Früh angerufen wird, wenn ein Jugendlicher sich Prob­
leme mit der Polizei eingehandelt hat: „Wenn ich ihnen
helfen kann, fahr ich hin.“ Am Ende der Woche sei er
schon manchmal ziemlich erschöpft, sagt er. Denn un­
term Strich investiert er sehr viel Zeit in die Kinder­ und
Jugendarbeit. „Aber“, so Herr Peraus, „ich weiß, wofür
ich es tue.“
Dann geht er los, um gemeinsam mit den anderen Ehren­
amtlichen die letzten Vorbereitungen für den Diaabend
zu treffen.
40 Jahre „Blasmusik Don Bosco“
Die 1973 von P. Karl Bleibtreu gegründete
Blasmusik Don Bosco feierte im Mai ihren 40.
Geburtstag mit einem Jubiläumskonzert im
Festsaal des Salesianums. Unter der Leitung
von Prof. Josef Schuh und Bernhard Bruner
bot die Kapelle ein vielseitiges Programm von
Wagner bis Wienerlied, von Operette bis Mu-
sical, vom österreichischen bis zum australi-
schen Traditionsmarsch und von der Polka bis
zur Hitparade. Mit einem besonderen Ge-
schenk stellte sich Provinzial Pater Rudolf
Osanger ein, er stiftete der Kapelle eine eige-
ne Fahne. Landeskapellmeister Herbert Klin-
ger überreichte dem Direktor des Salesia-
nums, Pater Petrus Obermüller SDB, für seine
Unterstützung die „Fördernadel des Wiener
Blasmusikverbandes in Silber“. Als Dank für
35 Jahre musikalische Leitung der Kapelle er-
hielt Prof. Josef Schuh das „Verdienstkreuz in
Gold“ des Wiener Blasmusikverbandes. Die
Kapelle ernannte einen ihrer größten Fans,
Pfarrer Pater Franz Lebitsch SDB, zum Ehren-
mitglied.
Solidaritätspreis 2013
Die Klassen 4A und 4B BAKIP der Don Bosco
Schulen Vöcklabruck haben den diesjährigen
Solidaritätspreis der Diözese Linz gewonnen.
Die Jury würdigte die Zusammenarbeit von
Markus Wurm und der Vöcklabrucker Lehrerin
Angelika Mittendorfer im Fach Heil- und
Sonderpädagogik. Markus Wurm erlitt durch
Sauerstoffmangel bei der Geburt eine Cere-
bralparese und ist nun auf den Rollstuhl an-
gewiesen und sprachlich beeinträchtigt.
Durch die Zusammenarbeit bekommen die
Schülerinnen einen besonderen Einblick in
die Lebenssituation eines Menschen mit Be-
einträchtigung, und der Lernstoff wird lebens-
nah.
Das Projekt wurde von Angelika Mittendorfer
gemeinsam mit assista Soziale Dienste GmbH
Gar nicht aufgeblasen: Die erfolgreiche Kapelle freut
sich aufs Aufspielen in den kommenden Jahren.
Theaterprobe für „Hans im Glück“
30 DONBOSCOmagazin 4/2013
Don Bosco
Don Bosco AktuellRenzo Gabbarini (links im Bild) ist ein tat-
kräftiger Ehemaliger aus Nemi (Italien).
Urlaub in der Küche
Renzo ist Koch und Kellner mit dem gro­
ßen Wunsch, anderen zu helfen. Er be­
sitzt ein Restaurant in Nemi und in den
vergangenen Jahren hat er während sei­
ner Urlaubszeit zwischen November und
Dezember am „Restore the light“­Projekt
teilgenommen. Eine Initiative mit dem
Ziel, Menschen mit Augenkrankheiten zu
heilen. Ins Leben gerufen wurde das
Projekt von der „Associazione con i
Fatebenefratelli per i Malati Lontani“
(AFMAL), einer NGO, die weltweit Ge­
sundheitsprogramme durchführt. Renzos
Aufgabe war es, die Ärzte und Sanitäter,
die an der Mission in Gao (Mali) teilnah­
men, zu verköstigen.
Sein Einsatz hat vielen von Blindheit be­
drohten Kindern und Erwachsenen er­
In dieser Rubrik wollen wir künftig auch die Arbeit Ehemaliger Don Boscos außerhalb
Österreichs vorstellen. Denn, so wie die Salesianer Don Boscos, sind auch die Ehema-
ligen weltweit engagiert. Renzo Gabbarini, 65 Jahre alt, ist einer von ihnen.
möglicht, wieder sehen zu können. Renzo
hat geholfen, indem er gemacht hat, was
er am besten kann: kochen. Trotz der be­
scheidenen Möglichkeiten mit zwei Töp­
fen und zwei Kochfeldern gelangen ihm
ähnliche Wunder wie schon Don Boscos
Mutter, Mama Margareta, für die Kinder
im ersten Oratorium in Turin­Valdocco.
Denn leicht ist es nicht, unter ex tremen
Bedingungen Essen für 85 Menschen zu­
zubereiten. Dennoch ist es ihm immer ge­
lungen.
Und so hat Renzo auch in seinem Urlaub
gekocht. „Aber das Lächeln eines Kindes,
das das Augenlicht wieder zurückbekom­
men hat, ist mehr wert als 1.000 Urlaube
auf den Malediven“, sagt der Ehemalige
Don Boscos. (ANS)
Erntedank für Gerda Ritschel
Für ihr unermüdliches Engagement für den
Bau des Linzer Musiktheaters wurde das Ehe-
paar Gerda und Gerhard Ritschel im Rahmen
der Erntedank-Gala am 14. Mai zu Ehrenmit-
gliedern ernannt.
Gerda Ritschel, Vorsitzende der Ehemaligen
der Don Bosco Schwestern, und ihr Mann
Gerhard haben sich als „Musik- und Theater-
enthusiasten“ um das kulturelle Leben im
Land Oberösterreich verdient gemacht. „Mit
der Eröffnung des Musikhauses hat sich ein
Lebenstraum erfüllt“, sagt die engagierte
Ehemalige.
Ende Mai hat Gerda Ritschel auch ihren Vor-
sitz der Ehemaligen zurückgelegt. Bis Jahres-
ende führt interimistisch Ingrid Greimer die
Gruppe.
Gerda Ritschel zur Eröffnung des Musiktheaters in
Linz: „Ein Lebenstraum hat sich erfüllt.“
Fotos: Linzer Musiktheater
Fotos: Christine Grüll
initiiert, unterstützt von der Direktion der
Schule. Vor allem wurde es aber möglich, weil
die Schülerinnen sich dafür engagieren.
Markus Wurm bringt sich im Fach Heil- und Sonderpä-
dagogik ein.
DONBOSCOmagazin 4/2013 31
Don Bosco
Don Bosco AktuellSalesianer ist „Chefberater“
Salesianerkardinal Oscar Rodriguez Maradia-
ga SDB koordiniert die Papstberatergruppe
für die Kurienreform. Rodriguez ist Erzbischof
der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa
und Präsident des Caritas-Weltdachverbands.
Er wurde vom Papst Mitte April zum Koordina-
tor der acht Mitglieder zählenden Kardinals-
gruppe ernannt. (KAP)
Herzlich – distanziert
Helft mit, dass alle Mauern, Vorurteile
und Machtkartelle fallen, welche Men­
schen heute trennen, erniedrigen und
arm machen.
Widersteht den Dämonen der Gewalt im
eigenen Herzen, der Fremdenfeindlickeit,
den Dämonen, die in der Beziehung der
Geschlechter und Generationen lauern
können, auch in den Beziehungen unter
den Religionen und Kulturen. 
Das Lebensbeispiel Jesu zeigt einen neu­
en Weg, einen Weg der Begegnung und
nicht der Distanz. Einen Weg der respekt­
vollen Wahrnehmung der Lebens­ und
Glaubensgeschichte jedes Einzelnen und
aller Menschen.
Pater Helmut Rodosek SDB
Don Bosco sah alles mit dem Herzen:
Sein Umgang mit den jungen Menschen
war von Herzlichkeit geprägt. Dabei ent­
stand ein Klima freundschaftlicher Bezie­
hung als Fundament seiner Pädagogik.
Es ist eine Gnade, wenn man Menschen
mit den Augen des Herzens ansehen
kann, so wie Jesus es getan und als Vor­
bild hingestellt hat. Er sagt uns: Kreist
nicht immer um euch selber. Lasst euch
nicht erdrücken vom Pessimismus und
von schlechten Erfahrungen. Bringt das
Leben in euch und in anderen zum Blü­
hen. Viele Kräfte liegen in dir brach.
Achtsame und verantwortungsbewusste
Menschen sind füreinander die beste Prä­
vention und Medizin. 
Foto: Gerhard Steinwender Foto: Zarl
Teil 4 der Serie „Don Bosco sah die Dinge mit dem Herzen!“
Don Bosco – er belebt junge Menschen. Im zweiten Vorbereitungsjahr auf den
200. Geburtstag Don Boscos widmen wir eine Serie der Pädagogik Don Boscos.
Pater Helmut Rodosek schreibt über Gegensatzpaare, die zum Nachdenken anregen.
Don Bosco sah die Dinge
mit dem Herzen.
Er sagte: „Ich liebe euch
von ganzem Herzen, und es
genügt mir, dass ihr jung
seid, um euch zu lieben.“
„Baut die Kirche mit!“
Aus 150 Pfarren der Diözese St. Pölten und
aus Wiener Gemeinden kamen im Mai 2.500
Teilnehmer zum mittlerweile 13. „Minitag“
der Katholischen Jungschar ins Stift Herzo-
genburg. Als Höhepunkt des Tages feierte
Propst Maximilian Fürnsinn mit den Minis-
tranten einen Gottesdienst in den Stiftsgär-
ten. Der Propst verwies auf die Bedeutung der
Ministrantenarbeit in der Kirche. Und er ap-
pellierte in Anlehnung an Papst Franziskus:
„Baut die Kirche mit!“ Insgesamt verteilten
die Organisatoren am „Minitag 2013“ rund
4.000 Leberkäs-, Wurst- und Käsesemmeln,
dazu flossen einige hundert Liter Fruchtsaft.
Confronto ist 25 Jahre alt
Was im Sommer 1988 begann, hat seither
viele begeistert und ist heute ein lebendiger
Bestandteil der salesianischen Jugendbewe-
gung. Am 31. August 2013 wird daher das
25-Jahre-Jubiläum von Confronto im Don
Bosco Haus in Wien gefeiert. Die „Grün-
dungseltern“ Ida Jank und Pater Rudolf Osan-
ger SDB freuen sich, genauso wie Pater Sieg-
fried Kettner SDB und Pater Herbert Salzl
SDB, auf ein Fest der Begegnung mit allen,
die in den vergangenen 25 Jahren Teil von
Confronto waren und es heute sind.
Information und Anmeldung:
Pater Herbert Salzl SDB
St. Veit-Gasse 25, 1130 Wien
Tel.: 0699/118 96 376
confronto@donbosco.at
Pfarrer Hans Schwarzl SDB Amstetten mit den
Ministranten aus Herz Jesu beim „Minitag“
32 DONBOSCOmagazin 4/2013
Don Bosco
Don Bosco Aktuell
Don Bosco BeleBt junge MenschenBruder Jean Paul Muller ist
seit 2011 Generalökonom
der Salesianer Don Boscos
in Rom. In seiner Kolumne
für das DON BOSCO maga-
zin schreibt der ehemalige
Leiter der Missionsprokur
in Bonn, welche Themen
den Orden aktuell welt-
weit beschäftigen.
ROMA
Ihr
Br. Jean Paul Muller SDB
POST AU S ROM
Pflicht zum sachlichen Widerspruch
Tausende Menschen strömen in den Monaten Juni, Juli und August nach Rom. Das Bild
der Stadt ist geprägt von Touristen. In den Büros unseres Generalates sind es die Monate,
in denen die letzten großen Diskussionen um die Vorbereitungsdokumente für das nächs­
te Generalkapitel stattfinden. Die Auswertung der 92 weltweit organisierten Mitbrüder­
konferenzen sorgt für viel Arbeit. Stets geht es darum, dass der Traum Don Boscos von
der ganzheitlichen Sorge um die jungen Menschen möglichst viele Männer und Frauen
findet, die diesen realisieren.
In den Beratungen des Generaloberen mit seinem Rat nimmt die Sorge um die fehlenden
Ausbildungsplätze für die Jugendlichen viel Platz ein. Nicht nur in Südeuropa, sondern
auch in Lateinamerika und im asiatischen Raum sind junge Menschen gezwungen, ihre
Heimat zu verlassen, um irgendwo auf der Welt einen Job zu finden. Statt einer festen
Arbeitsstelle ist dies dann meist eine schlecht bezahlte und oft befristete Anstellung. Als
Salesianer wollen wir, dass jeder Jugendliche, der arbeiten will und kann, durch seine
Arbeit genug zum Leben hat. Deswegen sehen wir es als unsere Pflicht an, in unseren
Begegnungen mit Politikern und Vertretern der Wirtschaft sachlichen Widerspruch zu
leisten.
Hier in Rom überwiegen trotz der Sorgen die guten Nachrichten: Vor einigen Tagen habe
ich unsere italienischen Vornovizen getroffen, 28 junge Männer, die im September ihr
Noviziat in Pinerolo oder Genzano beginnen werden. Alle haben entweder eine Berufs­
ausbildung absolviert oder ein Studium an einer Universität begonnen. Ihre Fragen und
Ausführungen zeugen von reifen Überlegungen, einigen noch offenen Zweifeln und
einem enorm starken Willen, ihr Leben für die jungen Menschen ganz einzubringen.
Blicke ich nach Kambodscha, so haben wir dort nun die ersten zwei Salesianer,
welche aus dem Volk der Khmer stammen. Dies alles sind Zeichen, dass Gott aktiv ist und
dass wir auch unterwegs sein müssen, um mitzugestalten und um zu verhindern, dass
der Glaube in unseren Gesellschaften seine Überzeugungskraft verliert oder esoterisch
aufgeladen wird.
Die Auswertung der Eingaben unserer Mitbrüder an das Generalkapitel zeigt, dass die
wachsenden Städte neue Kreativität in unseren sozialen und Bildungsangeboten verlan­
gen, dies ebenso in Liturgie und Katechese. Die Liturgie spricht junge Menschen kaum
noch an. Die salesianische Jugendpastoral ist hier gefordert, kreativ neue Ideen zu entwi­
ckeln. Ich kann das Empfinden von Jugendlichen gut nachvollziehen, die unsere Seelsor­
ge als zu behutsam und meditativ erleben. Die Welt der Ausgegrenzten braucht Salesia­
ner, die zugreifen, sie muss uns erleben, wie wir ein Teil ihres Alltags sind – manchmal
auch fragend und provozierend, damit die Jugendlichen Antwort auf ihre Lebensfragen
erhalten und die Jugend somit Vertrauen haben kann in uns, in die Kirche und folglich in
Christus.
DONBOSCOmagazin 4/2013 33
Don BoscoHier gefallen mir besonders:
die Naturverbundenheit der Menschen, das Lachen der Kinder
In meiner Freizeit:
treffe ich mich mit Freunden, mache Sport, spiele Gitarre
Mein größter Traum:
den lebe ich gerade; einmal nach Afrika zu gehen und dort den
Menschen zu helfen
Am meisten ärgere ich mich:
über Ungerechtigkeiten
Wenn ich einen Rat brauche:
gehe ich zu Freunden und Familie
In zehn Jahren:
möchte ich eine glückliche Familie haben
Mein Name: Maria Grünbacher
Ich bin: 25 Jahre alt
Ich wohne in: Kössen, Tirol
Ich mache gerade eine Ausbildung als: Sozialpädagogin,
gerade in einem Volontariatseinsatz in Afrika
Daran erkennt man mich:
an meinem Lachen
Das bin ich!
Eure
Maria GrünbacherM ei n T i pp
Die 50 besten Spiele zum
Umgang mit Konflikten
„Genau dieses Buch brauche ich“,
dachte ich mir, als ich es im Katalog
sah. Streitende Kinder kommen mir
täglich unter, sowohl in der Schule
als auch zu Hause. Oft bin ich rat­
los und frage mich, was ich machen
müsste, damit sie sich besser verste­
hen.
Einander verstehen – das ist die In­
tention des Buches. Die Idee ist, dass
man besser miteinander auskommt,
wenn man weiß, wie es dem anderen
geht. Daher dienen die ersten Spie­
le dazu, zu lernen, die Gefühle des
anderen wahrzunehmen und sich in
den anderen hineinzufühlen. Doch es endet nicht
bei einem, gerade bei Kindern unrealistischen „Ich
kann dich jetzt verstehen und mag dich deshalb.“
Konflikte haben oft handfeste Ursachen. Wut ist
dabei ein wichtiges Gefühl, und die Wut braucht
ihren Platz. Zehn Spiele sind dafür im Buch re­
serviert. „Super!“, freute sich mein Neunjähriger.
„Endlich darf ich mal so richtig schimpfen!“ – „Un­
ter Anleitung“, bremste ich. Das machte ihm nichts
aus. Im Erfinden von Schimpfwörtern, während er
Luftballons zerplatzte, war er äußerst kreativ. „Wü­
tend sein dürfen ist super“, meinte er danach, bes­
tens gelaunt.
In Kooperationsspielen geht es darum, miteinan­
der etwas zu schaffen. Weiter sollen die Kinder
lernen, einander zuzuhören und schließlich das
Gehörte wiederzugeben. Nicht schlecht staunte
ich, als ich unter den Kommunikationsspielen
„Flaschendrehen“ entdeckte. Ich kenne es ja als,
sagen wir mal, „Kennenlernspiel“ zwischen Ju­
gendlichen. Wie es zu Konfliktlösungen beitragen
kann? Lesen Sie selbst!
leSerf rA g e
Streit um Grabpflege
Unsere Familie hat ein Gemeinschaftsgrab. Vor Jahren
gab es Streit darüber, wie das Grab unserer Großeltern
gepflegt werden sollte. Seitdem ist es zweigeteilt: Die
Familie mütterlicherseits, zu der auch ich gehöre, be-
pflanzt die linke Seite. Die rechte Seite, also die meines
Großvaters, ist mittlerweile ziemlich verwildert, was
die Friedhofsverwaltung inzwischen sogar bemängelt
hat. Auf einen Brief von uns, in dem wir unserem On-
kel väterlicherseits anboten, die rechte Grabseite neu
zu bepflanzen, reagierte er abweisend. Dennoch habe
ich bei meinem letzten Besuch einige Büsche entfernt
und einen Rosenstock gepflanzt. Habe ich richtig ge -
handelt?
Annemarie S., Steyr
P. Erich Modosch: In dem Streit der Familien geht es
weniger um das „wer pflegt“, sondern, wenn ich richtig
gelesen habe, um das „wie wird gepflegt“. Ihr Onkel „re ­
agierte abweisend“ auf Ihr Angebot. Nun denke ich, dass
die Probleme innerhalb Ihrer Familie bleiben und gelöst
werden sollten. Vielleicht kann Ihnen auch eine neutrale
Person helfen, diese zu lösen.
Denn Ihre Frage „Hab ich richtig gehandelt?“ ist ohne
die Lösung der Uneinigkeit in Ihrer Familie so nicht zu
beantworten. Ich könnte Ihnen hier nur raten: Falls es
Ihnen ein Anliegen war, dass die Uneinigkeit in der Fa­
milie nicht alle sehen müssen, haben Sie den Rosenstock
gesetzt – wenn das Ihr Motiv war, müssen Sie es eventu­
ell gelassen hinnehmen, wenn Ihr Onkel den Rosenstock
wieder rauszieht. Daher mein dringender Rat: Lösen Sie
Ihre Probleme der Uneinigkeit in der Familie, denn das
wäre wahrscheinlich auch der Wunsch Ihrer verstorbe­
nen Angehörigen. Manches kann man mit Blumen nicht
zudecken, sondern nur, indem man sich unter den Le­
benden die Hände reicht.
Die 50 besten Spiele
zum Umgang mit
Konflikten
978-3-7698-1936-6
Don Bosco
€ 5,20
Unser Experte P. Erich Modosch (†), war Theologe, Sozialpädago-
ge und Pfarrer in Mieders (Tirol). Außerdem war er Berater im
Schülerwohnheim der Salesianer Don Boscos in Fulpmes und
Klagenfurt.
Bernadette Spitzer (39) ist Journalistin
und unterrichtet an einem Gymnasi-
um. Sie hat zwei Kinder und lebt mit
ihrer Familie in Wien.
DONBOSCOmagazin 4/2013 35
Ratgeber
RIP
Überraschend ist Pater Erich Modosch am
7. Juni, dem Herz-Jesu-Fest, nach schwerer
Krankheit verstorben. Wir danken ihm für
seinen Einsatz als Salesianer, Seelsorger
und Pädagoge sowie für seinen Dienst im
DON BOSCO magazin. Mit viel Engagement
und Interesse hat er die Fragen unserer Lese-
rinnen und Leser beantwortet, eine Aufgabe,
die er gerne übernommen hatte.


Hallo Kinder!
Eigentlich fast unglaublich: Es sind mehr als
3.000 verschiedene Brotsorten bekannt. Ich
könnte also acht Jahre lang täglich ein anderes Brot
essen. Für uns ist es ganz normal, jeden Tag Brot zu
essen, deshalb ist es bei uns auch ein Grundnahrungsmittel. In
anderen Ländern dagegen gehört das Brot nicht unbedingt auf den täglichen Speiseplan.
Aber so richtig selbst gemachtes Brot ist schon wirklich was Tolles, oder nicht? Frisch gebacken
duftet es einfach am besten, dazu hat es eine knusprige Rinde, und ich kann es belegen, wie ich
möchte. Und es macht so richtig satt. Aber damit wir Brot überhaupt backen können, brauchen wir
neben Wasser und Hefe als Triebmittel vor allem Getreide für das Mehl.
Und darum geht es heute. Denn bis das Getreide ins Brot kommt, müssen manche sehr viel arbeiten.
Ich habe die Getreidebauern-Familie Bals besucht und beobachtet, wie sie das ganze Getreide von
ihren Feldern ernten. Seht selbst!
Eure
Aus Getreide werden Körner
Gewusst wie!
Steffi & Tobi
Das sind Georg und Christi-
ane Bals. Sie sind Landwir-
te, genauer gesagt Getrei-
debauern. Im Frühjahr bau-
en sie Weizen und im Spät-
sommer Wintergerste an.
Der große Mähdrescher kann
zwei Sachen auf einmal:
Er schneidet erst die Getreide-
halme ab und trennt dann die
Körner heraus. Das nennt man
Dreschen.
In den Mähdrescher passen fast
sechs Tonnen Getreidekörner –
so viel wiegen ungefähr 80
Menschen zusammen. Wenn er
voll ist, wird das Getreide durch
ein dickes Rohr in einen Anhän-
ger geleitet, der neben dem
Mähdrescher fährt.
1. 2. 3.
36 DONBOSCOmagazin 4/2013Buntes »
Das Getreide kommt
natürlich nicht als Korn
ins Brot, sondern wird in
der Getreidemühle zu Mehl
gemahlen.
Texte: Stefanie Singer, Leonie Arzberger; Fotos: Leonie Arzberger; Illustrationen: Liliane Oser
Aus einem gesäten Getreidekorn entstehen mehr
als 40 neue Körner. Bauer Bals verkauft aber nie
sein ganzes Getreide. Einige Körner hebt er als
Saatgut für das nächste Jahr auf und lagert sie so
lange in einer großen Halle. Damit die Körner
nicht anfangen, zu keimen, muss es dort immer
schön kühl sein. Dazu pumpt er kalte Luft in den
Getreideberg.
Hier seht ihr Bauer Bals in
seinem Traktor beim soge-
nannten Grubbern. Mit den
Klingen an seinem Anhänger
wird die Erde der gemähten
Felder gelockert. Das ist wich-
tig, damit er dort später die
Wintergerste aussäen kann.
?
?
?
?
?
?
b.
d.
Kannst du erkennen,
welcher Schatten
zu mir passt?
Schattensuche
4. 5.
a.
c.
DONBOSCOmagazin 4/2013 37
„10“ lautete die Lösungszahl aus dem letzten DON BOSCO magazin.
Je ein Kinderspiel „Mein Tier-Alphabet Memo“ haben Gottfried Mauer-
hofer, Stephanie Kastler, Maria Stauber, Anita Michlmayr und Maja de
Cillia gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!
Schreibe den Lösungsbuchstaben in eine E-Mail
oder auf eine Postkarte und schicke sie bis zum
31. Juli 2013 an: DON BOSCO magazin
Kinderrätsel, St. Veit-Gasse 25, 1130 Wien
magazin@donbosco.at
Zu gewinnen gibt es fünf Mal
„Kleine Verse zu Sonne, Wind und Regen“
Unser Preis:Rätsel: Claudia Klinger; Foto: Archiv Text: Redaktion; Foto: Archiv
Schreiben Sie das Lösungswort auf
eine Postkarte oder in eine E-Mail
und schicken Sie diese bis zum
31. Juli 2013 an:
DON BOSCO magazin,
St. Veit-Gasse 25, 1130 Wien,
magazin@donbosco.at
räTSel
Sonnenblume
Wenn Sie die Bildstreifen
in die richtige Reihenfolge
bringen, ergeben die Buch-
staben unter den einzelnen
Streifen das Lösungswort.
Miträtseln und gewinnen!
Unter den richtigen
Einsendungen
verlosen wir
zwei Karten für
die berühmten
Passionsspiele
in Erl.
3.000 Jugendliche
aus der ganzen Welt
diskutierten in Val-
docco beim „Confron-
to Don Bosco 1988“
über ihre Hoffnungen
für Veränderungen in
der Kirche.
Zurückgeblättert: 28. August 1988
Confronto Don Bosco 1988
3.000 Jugendliche aus Einrichtungen der Salesianer
Don Boscos in der ganzen Welt trafen sich vor 25 Jahren
zu „Confronto Don Bosco 1988“. Anlass des Treffens in
Valdocco war der 100. Todestag Don Boscos. Unter dem
Thema „Jugendliche in der Kirche für die Welt“ diskutier­
ten die jungen Menschen über ihre Hoffnungen für eine
Kirche, in der sie sich selbst noch mehr einbringen wollen.
Ergebnis des Treffens war eine Botschaft, in der die Ju ­
gendlichen deutlich Kirche und Erwachsene kritisierten:
„Allzu oft bleiben unsere Träume auf der Strecke, immer
noch werden die Benachteiligten erniedrigt und verges­
sen […].“ Der Wunsch nach Veränderung wurde an „alle
Jugendlichen der Welt“ gerichtet. Zum Abschluss besuchte
Papst Johannes Paul II. das „Confronto“. Er nahm sich für
die Jugendlichen Zeit und bezeichnete sie als Hoffnungs ­
träger. Höhepunkt war die Mitfeier der Seligsprechung
Laura Vicunas und das Treffen mit dem Papst mit weiteren
60.000 Jugendlichen im Turiner Stadion.
Herzlichen glückwunsch!
Das Lösungswort aus unserem letzten Preisrätsel lautete
„Lebensabend“. Über je ein Buch „Adagio. Ein lyrisches
Konzertprogramm“ können sich Monika Nowak, Rosa
Maria Brandl, Elsa Gatscher-Riedl, Elisabeth Ottenstei-
ner und Josef Schubert freuen.
Lösungswort
E M R S M O
1 2 3 4 5 6
38 DONBOSCOmagazin 4/2013
BuntesDONBOSCOmagazin 4/2013 39
Service
Im nächsten Heft lesen Sie:
• Verantwortlich leben
Unser Einsatz
für die Schöpfung
• Weltweit
Brunnenbau für Indios
• Rätsel, Leser fragen und
„Das bin ich“
Impressum
DON BOSCO magazin (bis zum 53. Jahrgang Salesianische
Nachrichten) ist das Mitteilungsblatt der Don Bosco Familie in Österreich
Medieninhaber:
Gesellschaft der Salesianer Don Boscos, St. Veit-Gasse 25, 1130 Wien
Herausgeber:
Chefredakteur: P. Josef Vösl SDB
Redaktion: Katharina Hennecke, Claudia Klinger (in Elternzeit), Angelika
Luderschmidt, Hannah-Magdalena Pink, Sophie Lauringer, Markus Schauta
Erscheint zweimonatlich im Don Bosco Verlag,
81699 München, Sieboldstraße 11, Postvertriebsnummer: 02Z030224S
Titelfoto: kathbild.at
Alle nicht gekennzeichneten Fotos stammen aus dem Archiv
der Don Bosco Medien GmbH bzw. von foto@donbosco.at
Layout: ReclameBüro München, Gabriele Pohl und Margret Russer
Druck: Bonifatius GmbH Druck – Buch – Verlag, Paderborn
Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags gestattet.
Dies gilt auch für die Aufnahme in elektronische Datenbanken und
Vervielfältigungen auf CD-ROM.
Salesianer Don Boscos und
Don Bosco Schwestern
der Provinzen in Deutschland
und Österreich
Die Ausgabe 5/2013 erscheint
Anfang September.
Dieses Projekt wurde aus Mitteln der
Europäischen Union, Europäischer Fonds
für regionale Entwicklung gefördert.wertvoll
glaubwürdig
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Don Bosco Shop
Bestellen, beschenken
oder schenken lassen!
Die christliche Zeitschrift
für die ganze Familie
Besuchen Sie unseren Shop
im Internet unter
www.donbosco.at
Pädagogische
Materialien zu Don Bosco
Neu erschienen sind die umfang-
reichen Pädagogischen Unterlagen
über das Leben Don Boscos für den
Religionsunterricht, die Jungschar-
gruppe oder die Familie. Mit Blick
auf die Situation von Kindern und
Jugendlichen weltweit sensibilisieren
die 84 Seiten umfassenden Materi-
alien für Armut und Not, für Aus-
grenzung und Ausbeutung.
Don Bosco Shirt
Auf den ersten Blick sieht man vorne das bekannte
Don Bosco Logo. Doch beim genaueren Hinschauen
ist es mehr: Das Logo ist zusammengesetzt aus
vielen Symbolen, die den salesianischen Geist
ausmachen. Auf der Rückseite ist noch ein
Zitat aufgedruckt – lassen Sie sich
überraschen.
Thomas Brezina erzählt die
wahre Geschichte des Stra-
ßenkindes Michael Magone,
das bei Don Bosco eine
Heimat gefunden hat. Ein
berührender Roman über
Freundschaft, Fröhlichkeit,
Vertrauen und die Kraft, das
eigene Leben positiv zu
gestalten. Für Kinder von
9–12 Jahren.
Michael Magone
und der wirkliche Mut
sein, Gutes tun
und die Spatzen pfeifen
lassen!
Fröhlich
Leben und Werk des heiligen
Don Bosco
Eine
Unterrichtsreihe für
die Schulstufen 1-6
12 €
Tipp zur
Sommer-
lektüre
13,30 €
Freie Spende